Fachbegriff

Biosicherheit

Biosicherheit umfasst alle Maßnahmen, die das Einschleppen, Verbreiten und Austragen von Krankheitserregern begrenzen. Sie verbindet Tierzukauf, Hygiene, Besucherführung, Geräte- und Bestandsmanagement.

Auch: biosecurity

Einordnung

Was der Begriff konkret bedeutet

Äußere Biosicherheit schützt den Betrieb vor neuen Erregern; innere Biosicherheit soll deren Weitergabe zwischen Gruppen oder Einzeltieren begrenzen. Dazu gehören Quarantäne, Krankenbereiche, saubere Arbeitswege, Schädlingskontrolle und ein planvoller Umgang mit Kot, Kadavern und gemeinsam genutztem Material.

Das Ziel ist nicht sterile Tierhaltung, sondern das Unterbrechen plausibler Übertragungswege. Gute Maßnahmen sind risikobasiert, alltagstauglich und schriftlich festgelegt, damit sie auch bei Zeitdruck, Vertretung oder Krankheitsausbruch funktionieren.

Die Wege, nicht die Erreger

Biosicherheit meint die Summe der Maßnahmen, die verhindern, dass Erreger in einen Bestand hinein-, zwischen Gruppen hin- und her- oder aus dem Bestand hinausgetragen werden. Sie setzt an den Übertragungswegen an und nicht an einzelnen Erregern – das macht sie auch dann wirksam, wenn niemand weiß, wonach genau zu suchen wäre.

In kleinen Beständen sind die Wege überschaubar und deshalb gut zu kontrollieren: Hände, Schuhe, Anhänger und gemeinsam genutzte Geräte verbinden sonst getrennte Gruppen. Wer diese vier Punkte regelt, hat den größten Teil erledigt.

Reinigen kommt vor Desinfizieren

Der häufigste Anwendungsfehler ist die Reihenfolge. Organisches Material – Kot, Erde, Futterreste – kann Desinfektionsmittel unwirksam machen; wer auf verschmutzte Flächen sprüht, erzeugt ein gutes Gefühl und sonst wenig. Erst mechanisch reinigen, dann desinfizieren.

Der zweite Fehler ist die Annahme, ein Mittel wirke gegen alles. Nicht jedes Desinfektionsmittel wirkt gegen jeden Erreger, und gegen bestimmte Parasitenstadien wirken viele gar nicht. Welches Mittel bei welchem Anlass sinnvoll ist, gehört in die Absprache mit der Tierarztpraxis; ebenso die Frage, welche Einwirkzeit einzuhalten ist.

Abgrenzung: Biosicherheit, Hygiene, Desinfektion

Hygiene ist die Sauberkeit im Betrieb, Desinfektion eine einzelne Maßnahme darin, Biosicherheit das übergeordnete Konzept: Sie regelt, wer und was zwischen Bereichen bewegt wird, in welcher Reihenfolge gearbeitet wird und wie mit Zukauf, Besuch und geliehenem Gerät umgegangen wird.

Ein blitzsauberer Stall kann biosicherheitlich schlecht organisiert sein, wenn dieselbe Schaufel überall benutzt wird. Umgekehrt schützt keine noch so gute Wegeführung, wenn nicht gereinigt wird, bevor desinfiziert wird.

Belege

Quellen dieser Begriffsseite

  1. MuD-Tierschutzprojekt NeuweltkamelidenTiergesundheitsmanagementplan und Checkliste für Tierhalter:innen Praxis-Checkliste zu Hygiene und Biosicherheit im Bestand.
  2. MuD-Tierschutzprojekt NeuweltkamelidenTiergesundheitsmanagementplan und Checkliste für Tierärzt:innen Bestandsgesundheitsplan mit Hygienemaßnahmen.
  3. Deutsches Tierärzteblatt / BundestierärztekammerNeuweltkamele in Deutschland Fachbeitrag zur Situation der Neuweltkamelhaltung in Deutschland.

Ausführlich erklärt in

GesundheitBiosicherheit und Hygiene im kleinen Alpaka-BestandPraktische Barrieren gegen Einschleppung und Verschleppung – ohne den Alltag in ein Labor zu verwandeln.

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