Begriffe präzise verstehen
Fachsprache, die im Stallalltag hilft.
Das Glossar wird aus den Leitfäden heraus verlinkt und führt von jeder Definition zurück in den passenden Praxisartikel.
71 Begriffe
- Body Condition Score (BCS)
Standardisierte Tastbewertung der Körperkondition; beim Alpaka ist Fühlen wichtiger als bloßes Anschauen.
- Cria
Jungtier eines Alpakas oder Lamas, in der Regel bis zum Absetzen.
- Kolostrum
Erste antikörperreiche Milch nach der Geburt; entscheidend für den passiven Immunschutz.
- IgG
Immunglobulin G; sein Spiegel kann zur Beurteilung des passiven Immunschutzes beim Cria dienen.
- Raufutter
Strukturreiches Futter wie Weidegras oder Heu; Grundlage der Alpaka-Ration.
- Trockenmasse
Futtermenge ohne Wasseranteil; ermöglicht den Vergleich verschiedener Futtermittel.
- Umwidmung
Tierärztlich verantwortete Anwendung eines Arzneimittels außerhalb seiner ursprünglichen Zulassung nach geltenden Kaskadenregeln.
- Wartezeit
Festgelegter Zeitraum nach Arzneimittelanwendung, in dem Erzeugnisse nicht gewonnen oder verwendet werden dürfen.
- Kotprobe
Frisch und eindeutig zugeordnete Probe zur parasitologischen oder mikrobiologischen Untersuchung.
- Anthelminthika-Resistenz
Verminderte Empfindlichkeit von Parasiten gegenüber Entwurmungswirkstoffen.
- Quarantäne
Organisatorisch und hygienisch getrennte Beobachtungs- und Diagnostikphase für neue oder rückkehrende Tiere.
- Biosicherheit
Maßnahmen, die Einschleppung und Verschleppung von Erregern im Betrieb begrenzen.
- Zoonose
Infektionskrankheit, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden kann.
- Dystokie
Geburtsstörung, bei der ohne fachkundige Hilfe kein sicherer Fortschritt möglich ist.
- Induzierte Ovulation
Eisprung, der bei Alpakas typischerweise durch den Deckakt ausgelöst wird.
- Eimeria
Gattung einzelliger Darmparasiten; einzelne Arten können besonders Jungtiere schwer erkranken lassen.
- Hepatische Lipidose
Stoffwechselerkrankung mit übermäßiger Fetteinlagerung in der Leber, häufig im Zusammenhang mit negativer Energiebilanz.
- Ionophore
Bestimmte Futterzusatz-/Arzneistoffe, die für Kameliden hochtoxisch sein können.
- BTV
Bluetongue virus; durch Gnitzen übertragener Tierseuchenerreger bei Wiederkäuern und Neuweltkameliden.
- Neuweltkameliden
Sammelbegriff für Lama, Alpaka, Guanako und Vikunja.
- Huacaya
Alpaka-Typ mit gekräuseltem, eher voluminösem Vlies.
- Suri
Alpaka-Typ mit langen, glänzenden, fallenden Fasersträhnen.
- Wallach
Kastriertes männliches Alpaka.
- Vlies
Gesamte Faserbedeckung beziehungsweise bei der Schur abgenommene Faserpartie.
- Maulatmung
Atmung durch das Maul; beim obligaten Nasenatmer Alpaka ein schweres Alarmsignal.
- Mekonium
Erster Kot des Neugeborenen.
- Nachgeburt
Nach der Geburt ausgestoßene Eihäute und Plazenta; darf nicht gewaltsam herausgezogen werden.
- Aufgasung
Übermäßige Gasansammlung im Verdauungssystem mit möglicher Druckwirkung auf Atmung und Kreislauf.
- Anämie
Verminderung roter Blutkörperchen beziehungsweise des Sauerstofftransportvermögens.
- Trockenmasseaufnahme
Tatsächlich aufgenommene Futtermenge nach Abzug des Wasseranteils.
- Weiderotation
Geplanter Wechsel zwischen Teilflächen mit Nutzungs- und Ruhephasen.
- Handlingbereich
Sicher strukturierter Bereich zum Sammeln, Wiegen, Behandeln und Verladen.
- Cooperative Care
Training, bei dem das Tier Pflegeschritte möglichst freiwillig und vorhersehbar mitträgt.
- Vektor
Überträger eines Erregers; bei BTV sind es bestimmte blutsaugende Gnitzen.
- Futtercharge
Abgrenzbare Menge eines Futters mit gemeinsamer Herkunft und Ernte-/Produktionsbedingungen.
- Modifizierter Wiederkäuer
Alpakas haben einen dreigeteilten Magen und gelten deshalb als modifizierte Wiederkäuer; echte Wiederkäuer wie Schaf, Ziege und Rind besitzen vier Mägen.
- Obligater Nasenatmer
Alpakas atmen im Normalfall ausschließlich durch die Nase. Maulatmung ist deshalb kein Anpassungsverhalten, sondern ein schweres Alarmzeichen.
- Markhaltigkeit
Anteil der Fasern mit hohlem Kanal im Inneren. Markhaltige Fasern sind bei gleichem Durchmesser steifer und gelten als Hauptursache des Kratzgefühls.
- Mikron
Ein Millionstel Meter; Maß für die Dicke einer einzelnen Faser. Je niedriger der Wert, desto feiner die Faser.
- Standardabweichung (Faser)
Streuung der Faserdurchmesser um den Mittelwert. Ein Wert von drei Mikron und darunter gilt als gleichmäßig und sagt mehr über das Tragegefühl aus als der Mittelwert allein.
- Skirting
Das Trennen des Vlieses in Zonen direkt nach der Schur und das Entfernen von Randbereichen, Verschmutzung, zweiten Schnitten und verfilzten Partien.
- Zweiter Schnitt
Kurze Faserstücke, die entstehen, wenn die Schurmaschine ein zweites Mal über dieselbe Stelle geht. Sie führen im Garn zu Pilling und werden aussortiert.
- Stapellänge
Länge der Faser im Vlies. Sie entscheidet mit darüber, welche Verarbeitung möglich ist; zu kurze Faser fällt beim Kardieren aus.
- Deckenvlies
Faser von Rücken und Flanken – die feinste und gleichmäßigste Zone eines Vlieses und der Hauptwert eines Loses.
- Faserbruch
Reißen der Faser auf immer derselben Höhe. Es datiert eine zurückliegende Belastung, in der die Faser dünner gewachsen ist.
- Lock (Suri)
Strähnenbildung des Suri-Vlieses. Lockenstruktur und Glanz gelten als die zentralen Qualitätsmerkmale bei Suri.
- Belastungsindex (Hitze)
In der Alpaka-Praxis verbreitete Faustformel: Summe aus Lufttemperatur in Grad Fahrenheit und relativer Luftfeuchte in Prozent. Kein tierärztlicher Messwert.
- TRACES
EU-System für die Verbringung von Tieren zwischen Mitgliedstaaten. Neuweltkameliden werden darüber mit Zertifikat gemeldet.
- Bestandsregister
Dokumentation von Tierbestand, Zu- und Abgängen, Behandlungen und Wartezeiten. Für Alpakas als lebensmittelliefernde Tiere relevant.
- Tierseuchenkasse
Landeseinrichtung, bei der Tierhaltungen gemeldet und Beiträge entrichtet werden; sie leistet bei bestimmten Tierseuchen Entschädigung.
- Kaskade (Arzneimittel)
Rechtlicher Rahmen, nach dem eine Tierarztpraxis Arzneimittel umwidmen darf, wenn für die Tierart kein zugelassenes Präparat verfügbar ist.
- FEC (Eizahl im Kot)
Zahl der Parasiteneier pro Gramm Kot. Grundlage für befundgesteuerte statt kalendergesteuerte Entwurmung.
- Selektive Behandlung
Behandlung nur der Tiere, deren Befund es erfordert, statt der gesamten Gruppe. Verlangsamt die Resistenzbildung.
- Refugium
Anteil der Parasitenpopulation, der nicht unter Behandlungsdruck steht. Ein ausreichendes Refugium verlangsamt die Resistenzentwicklung.
- Kotplatz
Gemeinsam genutzte Ausscheidungsstelle. Sie erleichtert die Weidehygiene, ersetzt aber keine Parasitenkontrolle.
- Besatzdichte
Zahl der Tiere je Fläche über einen Zeitraum. Sie bestimmt Futterangebot, Grasnarbe und Infektionsdruck gleichzeitig.
- Opferfläche
Bewusst stark belastete Fläche, die genutzt wird, um die produktiven Weiden zu schonen.
- Anweiden
Schrittweise Gewöhnung an frisches Weidegras über Tage bis Wochen, gesteuert nach Kot, Wiederkauen und Verhalten.
- Heuanalyse
Laboruntersuchung einer repräsentativen Heuprobe auf Trockenmasse, Energie, Protein, Faser und Mineralien.
- Ankaufsuntersuchung
Unabhängige tierärztliche Untersuchung vor dem Kauf. Ihr Befund ist eine Momentaufnahme und ersetzt keine Quarantäne.
- Kryptorchismus
Ein oder beide Hoden sind nicht in den Hodensack abgestiegen. Ein tierärztlicher Befund und zuchtausschließend.
- Fehlprägung
Fehlgerichtetes Sozialverhalten gegenüber Menschen nach zu intensiver menschlicher Nähe im Jungtieralter; bei männlichen Tieren ein Sicherheitsproblem.
- Desensibilisierung
Schrittweise Gewöhnung an einen Reiz unterhalb der Fluchtschwelle, sodass das Tier wahrnehmen und wieder entspannen kann.
- Überflutung (Flooding)
Aussetzen eines Reizes bis zum Aufhören der Reaktion. Erzeugt oft Erstarren statt Lernen und ist kein sicherer Trainingserfolg.
- Stressleiter
Abfolge von frühen zu späten Belastungszeichen. Frühe Stufen wie Orientieren und Futterpause lassen sich mit wenig Aufwand unterbrechen.
- Thermofenster
Bewusst geschorener Bereich, über den ein Tier bei Hitze zusätzlich Wärme abgeben kann.
- Windchill
Zusätzliche Auskühlung durch Wind. Zusammen mit Nässe kann sie auch bei moderaten Temperaturen gefährlich werden.
- Passiver Immunschutz
Über das Kolostrum aufgenommener Antikörperschutz des Neugeborenen. Menge, Qualität und Zeitpunkt der Aufnahme entscheiden.
- Absetzen
Trennung des Jungtiers vom Muttertier nach Reife, Gesundheit und Gruppensituation – nicht nach Kalender und nie einzeln.
- Prädator
Beutegreifer. Alpakas sind Beutetiere und reagieren auf Prädatorensignale wie die Silhouette eines Hundes mit Flucht.
- Herdenschutz
Maßnahmen gegen Übergriffe durch Beutegreifer – im Kern fachgerechter Zaun und, wo tragfähig, ausgebildete Herdenschutzhunde.