Fachbegriff
Stapellänge
Stapellänge ist die Länge eines zusammengehörigen Faserbüschels vom Ansatz bis zur Spitze. Sie beeinflusst, mit welchen Verfahren und zu welchen Produkten die Faser verarbeitet werden kann.
Auch: faserlänge
Einordnung
Was der Begriff konkret bedeutet
Zu kurze Fasern lassen sich schwer stabil verspinnen; sehr lange Fasern können bestimmte Maschinen ebenfalls fordern. Entscheidend ist eine möglichst gleichmäßige nutzbare Länge ohne Bruchstellen, nicht allein ein maximaler Zentimeterwert.
Messwerte hängen von Körperzone, Schurintervall, Kräuselung und Messweise ab. Eine gestreckte Einzelfaser ist nicht dasselbe wie die natürliche Stapellänge eines Locks oder gekräuselten Bündels.
Was das Schurintervall festlegt
Die Stapellänge ist die Länge des gewachsenen Faserbüschels und damit direkt eine Folge des Schurintervalls. Sie entscheidet mit darüber, ob eine Partie verarbeitet werden kann: Zu kurze Faser fällt beim Kardieren aus und lässt sich schlecht verspinnen.
Längenanforderungen unterscheiden sich je nach Verarbeitungsweg und Spinnerei – eine allgemeingültige Zielzahl gibt es nicht. Wer verwerten will, klärt die Anforderung vor dem Schertag, weil sie sich danach nicht mehr beeinflussen lässt.
Warum ein übersprungenes Jahr nicht das Doppelte bringt
Die naheliegende Idee, ein Jahr auszusetzen und dafür die doppelte Länge zu ernten, geht in der Regel nicht auf. Ein übersprungenes Schurjahr führt häufig zu Verfilzung und ungleichmäßigem Wuchs – das Ergebnis ist mehr Material in schlechterer Qualität, und der Verlust betrifft die ganze Partie.
Dazu kommt die Tierseite: Die Schur ist kein Ernteakt, sondern eine Haltungsmaßnahme. Ein ungeschorenes Tier kann seine Wärme im Sommer schlechter abgeben. Faserfeinheit variiert ohnehin unter anderem mit Genetik, Alter, Ernährung und Schurintervall – der jährliche Rhythmus ist damit sowohl die tiergerechte als auch die faserseitig sinnvollere Entscheidung.
Abgrenzung: Stapellänge, Faserlänge, Vliesgewicht
Die Stapellänge misst das gewachsene Büschel, die Faserlänge die einzelne Faser darin, und das Vliesgewicht sagt über beides nichts aus. Ein schweres Vlies kann aus kurzer, schwer verarbeitbarer Faser bestehen.
Für die Verwertung zählt die Stapellänge zusammen mit Feinheit und Sauberkeit. Das Gewicht ist die Größe, die im Verkaufsgespräch am häufigsten genannt und in der Spinnerei am wenigsten gebraucht wird. Wer eine Partie einschätzen will, misst deshalb an mehreren Stellen des Deckenvlieses und nicht an der längsten Stelle, die sich finden lässt.
Belege
Quellen dieser Begriffsseite
- Australian Alpaca AssociationAlpaca fleece length attributes for processing ↗Längenmerkmale von Alpakavlies und ihre Bedeutung für die Verarbeitung.
- Alpaca Owners AssociationAlpaca Fiber Characteristics ↗Übersicht der Fasereigenschaften bei Alpakas.
- British Alpaca SocietyAlpaca fibre processing ↗Fachinformation zur Verarbeitung von Alpakafaser.
Ausführlich erklärt in
Faser & WolleStapellänge: Warum das Schurintervall alles entscheidetZu kurz und zu lang sind beides Probleme – wie der Schurtermin die spätere Verarbeitbarkeit festlegt.Kommt vor in