Fachbegriff

Anthelminthika-Resistenz

Anthelminthika-Resistenz liegt vor, wenn ein vererbbarer Anteil einer Parasitenpopulation eine korrekt durchgeführte Behandlung mit einem Wirkstoff überlebt. Sie betrifft den Parasitenbestand, nicht das behandelte Alpaka.

Auch: resistenz, resistenzen

Einordnung

Was der Begriff konkret bedeutet

Resistenz entsteht durch Selektion: Wiederholte oder unnötige Behandlung begünstigt Parasiten, deren Nachkommen den Wirkstoff ebenfalls überstehen. Unterdosierung, pauschale Herdentherapie und unkritischer Wirkstoffwechsel können den Prozess beschleunigen.

Ein weiterhin positiver Kotbefund beweist für sich allein keine Resistenz. Wirkstoffwahl, korrektes Körpergewicht, Anwendung, Zeitpunkt der Kontrollprobe und die verwendete Zählmethode müssen stimmen; belastbarer ist ein fachgerecht geplanter Eizahlreduktionstest.

Der Bestand wird resistent, nicht das Tier

Anthelminthika-Resistenz liegt vor, wenn ein vererbbarer Anteil einer Parasitenpopulation eine korrekt dosierte und korrekt verabreichte Behandlung überlebt. Der entscheidende Punkt steckt im Wort Population: Resistent wird der Wurmbestand auf der Fläche, nicht das Alpaka. Ein Tierwechsel löst das Problem deshalb nicht, ein Flächenwechsel unter Umständen schon.

Bei Neuweltkameliden sind Resistenzen gegen Entwurmungswirkstoffe dokumentiert. Das ist keine theoretische Zukunftssorge, sondern der Grund, warum die pauschale Kalenderentwurmung fachlich nicht mehr empfohlen wird.

Wie sie entsteht

Jede Behandlung wirkt als Auswahl. Überleben einzelne Parasiten mit einer erblichen Unempfindlichkeit, vermehren sich genau diese weiter, während die empfindlichen verschwinden. Je häufiger und je flächendeckender behandelt wird, desto schneller verschiebt sich die Population in Richtung der Überlebenden.

Zwei verbreitete Praktiken beschleunigen den Prozess besonders: die Behandlung aller Tiere zum selben Termin ohne Befund, und die Unterdosierung. Beides sorgt dafür, dass unempfindliche Parasiten einen Vorteil haben. Dosierung und Präparatewahl gehören deshalb in die Tierarztpraxis – für Alpakas sind in Deutschland viele Präparate nicht artspezifisch zugelassen, ihre Anwendung ist eine Umwidmung mit eigenen Regeln.

Was den Prozess verlangsamt

Drei Ansätze wirken zusammen und keiner allein. Erstens die selektive Behandlung: Nur Tiere behandeln, bei denen Befund und Risiko es begründen, damit ein Teil der Parasitenpopulation unbehandelt und damit empfindlich bleibt. Zweitens die Wirksamkeitskontrolle durch eine Kotprobe nach der Behandlung – ohne sie merkt niemand, dass ein Wirkstoff nicht mehr wirkt. Drittens Weidemanagement, das den Infektionsdruck von vornherein senkt.

Der letzte Punkt wird oft unterschätzt: Wie lange Larven auf einer Fläche überleben, hängt von Feuchte, Temperatur und Parasitenart ab. Nutzungs- und Ruhephasen so zu legen, dass sie diesem Rhythmus etwas entgegensetzen, reduziert die Zahl nötiger Behandlungen – und jede nicht nötige Behandlung ist eine, die keine Resistenz auswählt.

Belege

Quellen dieser Begriffsseite

  1. MuD-Tierschutzprojekt NeuweltkamelidenTiergesundheitsmanagementplan und Checkliste für Tierärzt:innen Resistenzlage und selektive Behandlung im Bestandsgesundheitsplan für Neuweltkameliden.
  2. Merck Veterinary ManualHerd Health of Llamas and Alpacas Bestandsgesundheit mit Entwurmungsstrategie und Resistenzvermeidung.
  3. EUR-Lex / Europäische UnionVerordnung (EU) 2019/6 über Tierarzneimittel Rechtsrahmen für Tierarzneimittel einschließlich Umwidmung.

Ausführlich erklärt in

GesundheitAlpaka-Parasitenschutz: Kotprobe statt BlindflugWarum pauschales Entwurmen Resistenzen fördert und wie Diagnostik, Weide und Behandlung zusammenspielen.

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