Reproduktionsnotfall

Abort, Totgeburt und auffällige Nachgeburt

Muttertier schützen, Proben sichern und infektiöse beziehungsweise zoonotische Risiken kontrollieren.

Lesezeit
ca. 2 Min.
Aktualisiert
26. Juli 2026
Einordnung
Zucht & Cria
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Abort, Totgeburt, starke Blutung, übel riechender Ausfluss oder festliegende Stute werden sofort tierärztlich abgeklärt. Fetus, Nachgeburt und verschmutztes Material können diagnostisch wertvoll und infektiös sein: Bereich absperren, Handschuhe tragen, nichts waschen oder entsorgen und Anweisung zur Probenahme abwarten. Niemals an der Nachgeburt ziehen.

Das Wichtigste

01

Die Ursache kann infektiös, genetisch, maternal oder unklar sein.

02

Ein unauffälliges Muttertier kann dennoch Behandlung benötigen.

03

Nachgeburt und Fetus sollten eindeutig der Stute zugeordnet werden.

04

Schwangere und immungeschwächte Menschen meiden den Bereich.

Sofortmaßnahmen

  1. 01

    Tierarzt/Notdienst anrufen.

  2. 02

    Stute ruhig mit Herdenkontakt sichern.

  3. 03

    Bereich für Menschen und Tiere sperren.

  4. 04

    Handschuhe und getrennte Werkzeuge verwenden.

  5. 05

    Material kühl und nach Praxisanweisung lagern.

Für die Diagnostik

  • Trächtigkeitsstadium und Deckdaten
  • Impfung, Medikamente, Futter und Tierzugänge
  • Fotos von Fundort, Fetus und Nachgeburt
  • Weitere Aborte, Fieber oder Krankheitszeichen im Bestand

Bestandsmaßnahmen

  • Muttertier und Kontaktgruppe nach Plan kontrollieren.
  • Reinigung erst nach Proben- und Behördenanweisung.
  • Zuchtentscheidung bis zum Befund aussetzen.
  • Ergebnis und Konsequenzen schriftlich im Bestand besprechen.

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Nachgeburt

Häufige Fragen

Wie lange darf es dauern, bis die Nachgeburt abgeht?

Wenn die Nachgeburt nicht in dem von der betreuenden Praxis genannten Zeitfenster abgeht, ist das ein Fall für den Anruf – nicht für eigene Maßnahmen. Ziehen ist in jedem Fall tabu: Es kann die Gebärmutter verletzen und Gewebe zurücklassen, das anschließend zur Infektionsquelle wird.

Warum soll ich Fetus und Nachgeburt nicht entsorgen?

Beides ist diagnostisch wertvoll. Aus dem Material lässt sich häufig klären, ob die Ursache infektiös, genetisch oder maternal war – und damit, ob der restliche Bestand betroffen sein könnte. Material deshalb kühl und nach Anweisung der Praxis lagern, nichts waschen und den Fundort absperren, bis die Probenahme geklärt ist.

Ist ein Abort für andere Tiere im Bestand ansteckend?

Das lässt sich vor dem Befund nicht ausschließen. Bis zur Klärung gilt deshalb: Bereich für Menschen und Tiere sperren, Handschuhe tragen, getrennte Werkzeuge verwenden und die Kontaktgruppe nach Plan kontrollieren. Reinigung und Desinfektion erfolgen erst nach Proben- und gegebenenfalls Behördenanweisung.

Darf ich schwanger sein und die Stute versorgen?

Nein. Schwangere und immungeschwächte Menschen sollten den Bereich meiden. Einige Erreger, die Aborte bei Tieren auslösen können, sind für den Menschen relevant – die Versorgung übernimmt in dieser Zeit jemand anderes.

Kann ich die Stute nach einem Abort wieder decken lassen?

Die Zuchtentscheidung wird bis zum Befund ausgesetzt. Ein äußerlich unauffälliges Muttertier kann trotzdem behandlungsbedürftig sein, und ohne geklärte Ursache lässt sich weder das Wiederholungsrisiko noch der richtige Zeitpunkt einschätzen.

Belege & Vertiefung

Quellen dieses Leitfadens

Zur Quellenmethodik

Auf Basis der folgenden Fachquellen erstellt und laufend gepflegt. Zuletzt geprüft und aktualisiert am 26. Juli 2026.

  1. Merck Veterinary ManualReproduction of Llamas and Alpacas Belegt reproduktionsmedizinische Grundlagen (Merck Veterinary Manual).
  2. MuD-Tierschutzprojekt NeuweltkamelidenTiergesundheitsmanagementplan für Tierärzt:innen Tierärztlicher Managementplan des MuD-Projekts als fachliche Basis.
  3. Friedrich-Loeffler-InstitutInfektionen bei Alpakas und Lamas Fachliche Einordnung des Friedrich-Loeffler-Instituts zu Infektionen bei Alpakas und Lamas.
  4. Peer-reviewte Veterinärpathologie / PubMedToxoplasma gondii-associated abortion in alpacas Dokumentiert eine infektiöse Abortursache und stützt konsequente Proben-, Hygiene- und Bestandsabklärung.
  5. Peer-reviewte Veterinärpathologie / PubMedEncephalitozoon cuniculi placentitis and abortion in an alpaca Ergänzt eine seltene, aber diagnostisch relevante Ursache von Plazentitis und Fruchtverlust.

Dieser Leitfaden dient der sachkundigen Haltung und Früherkennung. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Therapie durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt.