Jungtier

Cria-Aufzucht, Wachstum und Absetzen

Von täglicher Gewichtsentwicklung und Herdenlernen bis zur sozialen Trennung ohne Fehlprägung.

Lesezeit
ca. 3 Min.
Aktualisiert
26. Juli 2026
Einordnung
Zucht & Cria
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Ein Cria wird über Gewichtsentwicklung, Saugen, Verhalten, Kot und Körperkondition beurteilt. Merck nennt als grobe tägliche Zunahme etwa 100–250 g, doch der individuelle Trend zählt. Menschliche Hilfe wahrt die Bindung an Mutter und Herde; intensive körperliche Spiel- oder Imprint-Behandlung kann später gefährliches distanzloses Verhalten fördern. Absetzen erfolgt nach Reife, Gesundheit und Gruppensituation, nicht abrupt nach Kalender.

Das Wichtigste

01

Der Verlauf ist wichtiger als eine Einzelwägung.

02

Jungtiere brauchen früh sicheren Zugang zu Heu, Wasser und geeignetem Mineralangebot.

03

Männliche Jungtiere müssen vor unkontrollierter Fortpflanzung passend getrennt werden.

04

Flaschenaufzucht ist medizinische Ersatzversorgung, keine Form der Vermenschlichung.

Wachstum dokumentieren

  • Geburtsgewicht und anschließend konsistent auf derselben Waage wiegen
  • Saugen, Aktivität, Schlaf, Kot und Kontakt zu Mutter/Herde täglich beobachten
  • BCS und Entwicklung von Gliedmaßen, Nabel, Augen und Zähnen kontrollieren
  • Bei stagnierendem Trend früh Euter, Milchtransfer, Parasiten und Erkrankung prüfen lassen
  • Impf-, Vitamin-D- und Parasitenplan individuell mit der Praxis festlegen

Kamelid bleiben lassen

Pflegehandlungen werden ruhig und kurz durchgeführt; danach kehrt das Cria zu Mutter und Herde zurück. Menschen setzen höfliche Distanzgrenzen und spielen keine Körperkämpfe. Besonders handaufgezogene männliche Tiere benötigen professionelles Management, weil spätere fehlgerichtete Dominanz gefährlich werden kann.

Absetzen planen

  1. 01

    Gesundheit, Gewicht, eigenständige Futteraufnahme und Mutter-Kind-Zustand bewerten.

  2. 02

    Kompatible Jungtiergruppe und herdensichere Unterbringung vorbereiten.

  3. 03

    Trennung so gestalten, dass kein einzelnes Jungtier zurückbleibt.

  4. 04

    Futter, Kot, Rufen, Zaunverhalten und Gewicht in den Folgetagen eng kontrollieren.

  5. 05

    Geschlechter- und Zuchtgruppen rechtzeitig stabil organisieren.

Begriffe aus diesem Artikel

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Body Condition Score (BCS)CriaFehlprägungAbsetzen

Häufige Fragen

Wie viel sollte ein Cria pro Tag zunehmen?

Als grobe Orientierung nennt das Merck Veterinary Manual etwa 100 bis 250 Gramm täglich. Entscheidend ist aber der individuelle Trend, nicht eine Einzelwägung: konsistent auf derselben Waage wiegen, ab dem Geburtsgewicht, und die Kurve betrachten.

Was tue ich, wenn das Cria nicht zunimmt?

Bei stagnierendem Trend früh Euter, Milchtransfer, Parasiten und mögliche Erkrankungen prüfen lassen – nicht abwarten. Parallel gehören Saugen, Aktivität, Schlaf, Kot und der Kontakt zu Mutter und Herde täglich beobachtet sowie BCS und die Entwicklung von Gliedmaßen, Nabel, Augen und Zähnen kontrolliert.

Darf ich mit dem Cria schmusen und spielen?

Besser nicht in Form von Körperkämpfen oder intensiver Imprint-Behandlung. Solche Zuwendung kann später gefährliches distanzloses Verhalten fördern – besonders bei männlichen Tieren, bei denen fehlgerichtete Dominanz gegenüber Menschen ernsthaft gefährlich wird. Pflegehandlungen bleiben ruhig und kurz, danach kehrt das Cria zu Mutter und Herde zurück, und Menschen setzen höfliche Distanzgrenzen.

Wann setze ich ein Cria ab?

Nach Reife, Gesundheit und Gruppensituation, nicht abrupt nach Kalender. Vorher werden Gesundheit, Gewicht, eigenständige Futteraufnahme und der Zustand von Mutter und Kind bewertet, eine kompatible Jungtiergruppe vorbereitet und die Trennung so gestaltet, dass kein einzelnes Jungtier zurückbleibt.

Kann ich ein Cria allein in eine Box stellen?

Nein. Ein Cria wird nicht allein in eine entfernte Box gestellt – sozialer Stress kann Futteraufnahme, Immunsystem und Verhalten erheblich belasten. In den Tagen nach der Trennung werden Futter, Kot, Rufen, Zaunverhalten und Gewicht eng kontrolliert.

Ab wann brauchen Jungtiere eigenes Futter?

Früh. Jungtiere brauchen von Anfang an sicheren Zugang zu Heu, Wasser und einem geeigneten Mineralangebot – sicher heißt: ohne von älteren Tieren verdrängt zu werden. Impf-, Vitamin-D- und Parasitenplan werden individuell mit der Praxis festgelegt. Männliche Jungtiere müssen rechtzeitig getrennt werden, bevor unkontrollierte Fortpflanzung möglich wird.

Belege & Vertiefung

Quellen dieses Leitfadens

Zur Quellenmethodik

Auf Basis der folgenden Fachquellen erstellt und laufend gepflegt. Zuletzt geprüft und aktualisiert am 26. Juli 2026.

  1. Australian Alpaca AssociationBirthing and Cria Care Merkblatt des australischen Zuchtverbands zu Geburt und Cria-Versorgung.
  2. Merck Veterinary ManualReproduction of Llamas and Alpacas Belegt reproduktionsmedizinische Grundlagen (Merck Veterinary Manual).
  3. Merck Veterinary ManualManagement of Llamas and Alpacas Belegt tierärztliche Management-Grundlagen der Kameliden für Zucht, Trächtigkeit und Aufzucht.
  4. Peer-reviewte Verhaltensforschung / PubMedBehavioural responses of alpacas to weaning Untersucht Belastungsreaktionen beim Absetzen und stützt eine ruhige, gruppenorientierte Planung.
  5. Peer-reviewte Neonatologie / PubMedAssays for failure of passive transfer in alpaca crias Vergleicht diagnostische Verfahren zur Erkennung unzureichender Antikörperversorgung.

Dieser Leitfaden dient der sachkundigen Haltung und Früherkennung. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Therapie durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

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