Jungtier

Cria-Aufzucht, Wachstum und Absetzen

Von täglicher Gewichtsentwicklung und Herdenlernen bis zur sozialen Trennung ohne Fehlprägung.

Lesezeit
ca. 4 Min.
Aktualisiert
10. August 2026
Redaktioneller Quellenabgleich
9. August 2026
Einordnung
Zucht & Cria
Direktantwort≈ 30 Sekunden

Ein Cria wird über Gewichtsentwicklung, Saugen, Verhalten, Kot und Körperkondition beurteilt. Merck nennt als grobe tägliche Zunahme etwa 100–250 g, doch der individuelle Trend zählt. Menschliche Hilfe wahrt die Bindung an Mutter und Herde; intensive körperliche Spiel- oder Imprint-Behandlung kann später gefährliches distanzloses Verhalten fördern. Absetzen erfolgt nach Reife, Gesundheit und Gruppensituation, nicht abrupt nach Kalender.

Das Wichtigste

01

Der Verlauf ist wichtiger als eine Einzelwägung.

02

Jungtiere brauchen früh sicheren Zugang zu Heu, Wasser und geeignetem Mineralangebot.

03

Männliche Jungtiere müssen vor unkontrollierter Fortpflanzung passend getrennt werden.

04

Flaschenaufzucht ist medizinische Ersatzversorgung, keine Form der Vermenschlichung.

Wachstum dokumentieren

  • Geburtsgewicht und anschließend konsistent auf derselben Waage wiegen
  • Saugen, Aktivität, Schlaf, Kot und Kontakt zu Mutter/Herde täglich beobachten
  • BCS und Entwicklung von Gliedmaßen, Nabel, Augen und Zähnen kontrollieren
  • Bei stagnierendem Trend früh Euter, Milchtransfer, Parasiten und Erkrankung prüfen lassen
  • Impf-, Vitamin-D- und Parasitenplan individuell mit der Praxis festlegen

Woran ein Rückstand auffällt

Der Verlauf ist wichtiger als eine Einzelwägung – dieser Satz ist der praktische Kern der ganzen Aufzucht. Ein einzelner Wert sagt bei der Streubreite von Geburtsgewichten fast nichts; eine über Wochen abflachende Kurve sagt viel.

Deshalb ist die Wägung nur dann sinnvoll, wenn sie regelmäßig und dokumentiert erfolgt. Wer einmal im Monat wiegt und nicht notiert, hat am Ende einen Eindruck statt einer Kurve.

  • Die Zunahme flacht ab oder bleibt aus, obwohl das Tier scheinbar normal trinkt.
  • Das Cria wirkt schläfriger, spielt weniger, bleibt häufiger liegen.
  • Es kommt später als die anderen zum Futter oder wird verdrängt.
  • Der Kot verändert sich – bei Jungtieren ist das früher relevant als bei erwachsenen Tieren.
  • Die Mutter zeigt Euterprobleme oder wenig Milch; beides fällt oft zuerst am Cria auf.

Kamelid bleiben lassen

Pflegehandlungen werden ruhig und kurz durchgeführt; danach kehrt das Cria zu Mutter und Herde zurück. Menschen setzen höfliche Distanzgrenzen und spielen keine Körperkämpfe. Besonders handaufgezogene männliche Tiere benötigen professionelles Management, weil spätere fehlgerichtete Dominanz gefährlich werden kann.

Absetzen planen

  1. 01

    Gesundheit, Gewicht, eigenständige Futteraufnahme und Mutter-Kind-Zustand bewerten.

  2. 02

    Kompatible Jungtiergruppe und herdensichere Unterbringung vorbereiten.

  3. 03

    Trennung so gestalten, dass kein einzelnes Jungtier zurückbleibt.

  4. 04

    Futter, Kot, Rufen, Zaunverhalten und Gewicht in den Folgetagen eng kontrollieren.

  5. 05

    Geschlechter- und Zuchtgruppen rechtzeitig stabil organisieren.

Der Termin, der nicht verschoben werden darf

Männliche Jungtiere müssen vor unkontrollierter Fortpflanzung passend getrennt werden – und dieser Zeitpunkt richtet sich nach der Entwicklung, nicht nach dem Kalender oder der Bequemlichkeit. Wer ihn verpasst, hat nicht ein organisatorisches, sondern ein zuchtplanerisches Problem.

Der zweite Punkt betrifft den Umgang. Flaschenaufzucht ist medizinische Ersatzversorgung und keine Form der Vermenschlichung; und auch ohne Flasche entsteht Distanzlosigkeit durch unkontrollierte Handfütterung. Bei männlichen Jungtieren wird daraus als erwachsenes Tier gefährliches Verhalten, das sich nicht mehr harmlos korrigieren lässt.

Beides gehört zusammen gedacht: Die Trennung der Junghengste ist der Moment, in dem sich zeigt, wie im ersten Lebensjahr mit ihnen umgegangen wurde.

Begriffe aus diesem Artikel

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Body Condition Score (BCS)CriaPyrrolizidinalkaloideFehlprägungAbsetzen

Häufige Fragen

Wie viel sollte ein Cria pro Tag zunehmen?

Als grobe Orientierung nennt das Merck Veterinary Manual etwa 100 bis 250 Gramm täglich. Entscheidend ist aber der individuelle Trend, nicht eine Einzelwägung: konsistent auf derselben Waage wiegen, ab dem Geburtsgewicht, und die Kurve betrachten.

Was tue ich, wenn das Cria nicht zunimmt?

Bei stagnierendem Trend früh Euter, Milchtransfer, Parasiten und mögliche Erkrankungen prüfen lassen – nicht abwarten. Parallel gehören Saugen, Aktivität, Schlaf, Kot und der Kontakt zu Mutter und Herde täglich beobachtet sowie BCS und die Entwicklung von Gliedmaßen, Nabel, Augen und Zähnen kontrolliert.

Darf ich mit dem Cria schmusen und spielen?

Besser nicht in Form von Körperkämpfen oder intensiver Imprint-Behandlung. Solche Zuwendung kann später gefährliches distanzloses Verhalten fördern – besonders bei männlichen Tieren, bei denen fehlgerichtete Dominanz gegenüber Menschen ernsthaft gefährlich wird. Pflegehandlungen bleiben ruhig und kurz, danach kehrt das Cria zu Mutter und Herde zurück, und Menschen setzen höfliche Distanzgrenzen.

Wann setze ich ein Cria ab?

Nach Reife, Gesundheit und Gruppensituation, nicht abrupt nach Kalender. Vorher werden Gesundheit, Gewicht, eigenständige Futteraufnahme und der Zustand von Mutter und Kind bewertet, eine kompatible Jungtiergruppe vorbereitet und die Trennung so gestaltet, dass kein einzelnes Jungtier zurückbleibt.

Kann ich ein Cria allein in eine Box stellen?

Nein. Ein Cria wird nicht allein in eine entfernte Box gestellt – sozialer Stress kann Futteraufnahme, Immunsystem und Verhalten erheblich belasten. In den Tagen nach der Trennung werden Futter, Kot, Rufen, Zaunverhalten und Gewicht eng kontrolliert.

Ab wann brauchen Jungtiere eigenes Futter?

Früh. Jungtiere brauchen von Anfang an sicheren Zugang zu Heu, Wasser und einem geeigneten Mineralangebot – sicher heißt: ohne von älteren Tieren verdrängt zu werden. Impf-, Vitamin-D- und Parasitenplan werden individuell mit der Praxis festgelegt. Männliche Jungtiere müssen rechtzeitig getrennt werden, bevor unkontrollierte Fortpflanzung möglich wird.

Belege & Vertiefung

Quellen dieses Leitfadens

Zur Quellenmethodik

Auf Basis der folgenden Fachquellen erstellt und laufend gepflegt. Zuletzt redaktionell bearbeitet am 10. August 2026; redaktioneller quellenabgleich am 9. August 2026.

Das ist ein redaktioneller Abgleich der Aussagen mit den angegebenen Quellen – keine Prüfung oder Freigabe durch eine Tierarztpraxis, keine klinische Validierung und keine individuelle Beratung.

  1. Australian Alpaca AssociationBirthing and Cria Care Merkblatt des australischen Zuchtverbands zur Cria-Versorgung: Beobachtung, Gewichtsentwicklung und die Zeichen, die eine tierärztliche Abklärung auslösen.
  2. Merck Veterinary ManualReproduction of Llamas and Alpacas Belegt das Geburtsgewicht von 5,5 bis 8 kg beim Alpaka und dass eine Stute 14 bis 21 Tage nach der Geburt wieder aufnehmen kann.
  3. Merck Veterinary ManualManagement of Llamas and Alpacas Belegt die Fütterungsgrundlagen der wachsenden Tiere und den Body Condition Score als Beurteilungsmaßstab.
  4. Tierklinik für Reproduktionsmedizin und Neugeborenenkunde, Justus-Liebig-Universität GießenNationale Fachstelle für Neuweltkamele Keine inhaltliche Quelle dieses Artikels, sondern die Anlaufstelle für Fachfragen: seit 1. April 2025 an der Klinik für Reproduktionsmedizin und Neugeborenenkunde der Universität Gießen, als Fortsetzung des MuD-Tierschutzprojekts.
  5. Justus-Liebig-Universität Gießen / MuD-Tierschutz (BMEL)Leitlinien für die Haltung und Nutzung von Lamas und Alpakas Benennt die Themen der Gießener Leitlinien, darunter Gruppenzusammensetzung, Gesundheitskontrollen und ein Mindestalter für die Nutzung der Tiere. Ausdrücklich keine Rechtsnorm.
  6. Peer-reviewte Verhaltensforschung / PubMedBehavioural responses of alpacas to weaning Untersucht Belastungsreaktionen beim Absetzen und stützt eine ruhige, gruppenorientierte Planung.
  7. Peer-reviewte Neonatologie / PubMedAssays for failure of passive transfer in alpaca crias Vergleicht diagnostische Verfahren zur Erkennung unzureichender Antikörperversorgung.

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