Die südamerikanischen Neuweltkamele umfassen vier Arten: die domestizierten Alpaka und Lama sowie ihre wilden Verwandten Guanako und Vikunja. Das Alpaka wurde vor allem für feine Faser aus dem Vikunja gezüchtet, das größere Lama als Lasttier aus dem Guanako. Zusammen mit den Altweltkamelen (Dromedar, Trampeltier) bilden sie die Familie der Kamele. Alle teilen Merkmale wie den dreikammerigen Magen und die gepolsterten Zehen, unterscheiden sich aber deutlich in Größe, Nutzung und Lebensweise.
Das Wichtigste
Neuweltkamele umfassen Alpaka, Lama, Guanako und Vikunja.
Alpaka wurde aus dem Vikunja, das Lama aus dem Guanako domestiziert.
Guanako und Vikunja leben wild in Südamerika.
Zusammen mit Dromedar und Trampeltier gehören sie zur Familie der Kamele.
Vikunjafaser gilt mit rund 12 bis 13 Mikron als die feinste aller Kamelidenfasern.
Die vier Arten sind untereinander kreuzbar; belegt und praktisch relevant ist vor allem die Kreuzung von Lama und Alpaka.
Kadwell u. a. (2001) fanden 80 Prozent der Lama- und Alpaka-mtDNA in der Guanako-Linie, während Mikrosatelliten das Alpaka dem Vikunja zuordnen – daher der Name Vicugna pacos.
Die vier Neuweltkamele
| Art | Status | Kurzcharakter |
|---|---|---|
| Alpaka | domestiziert | Klein, auf feine Faser gezüchtet |
| Lama | domestiziert | Größer, traditionell Lasttier; Herdenschutz ist eine moderne Nutzung |
| Guanako | wild | Wildform, aus der das Lama hervorging |
| Vikunja | wild | Zierlichste Art, Ursprung des Alpakas, feinste Faser |
Wie aus zwei Wildarten vier Arten wurden
Die Geschichte ist kürzer, als man denkt, und sie erklärt fast alles am heutigen Alpaka. Vor mehreren tausend Jahren begannen Menschen in den Anden, zwei Wildarten zu domestizieren – jede mit einem anderen Ziel. Aus dem großen, kräftigen Guanako wurde das Lama: ein Tragtier, ausgelegt auf Ausdauer und Last. Aus dem zierlichen Vikunja, das die feinste Faser aller Kameliden trägt, wurde das Alpaka: ein Tier, das ausschließlich auf Vlies gezüchtet wurde.
Ganz so ordentlich verlief es allerdings nicht. Die vier Arten sind untereinander kreuzbar, und genau das ist über Jahrhunderte auch passiert – besonders nach der spanischen Eroberung, als die gezielte Zucht weitgehend zusammenbrach. Die genetische Untersuchung von Kadwell und Kolleg:innen (2001) zeigt genau das: Mitochondriale DNA ordnet 80 Prozent der Lama- und Alpakasequenzen der Guanako-Linie zu, während Mikrosatelliten das Alpaka klar dem Vikunja zuordnen. Aus dieser Arbeit stammt auch der heutige wissenschaftliche Name Vicugna pacos.
Für die Haltung heißt das zweierlei. Erstens: Die Herkunft vom Vikunja erklärt, warum ein Alpaka auf karges Futter, dünne Luft und kalte Nächte ausgelegt ist – und warum es auf einer fetten mitteleuropäischen Wiese eher am Überfluss leidet als am Mangel. Zweitens: Sie erklärt, warum Faserqualität so stark zwischen einzelnen Tieren schwankt. Das ist keine Zufälligkeit, sondern das Ergebnis einer sehr durchmischten Zuchtgeschichte.
Was sie verbindet
- Dreikammeriger Magen und pflanzliche Ernährung (modifizierte Wiederkäuer)
- Gepolsterte Zehen mit zwei Nägeln statt Hufen
- Ausgeprägtes Herden- und Sozialverhalten
- Anpassung an das Leben in den südamerikanischen Anden
Und die großen Kamele?
Die Neuweltkamele bilden zusammen mit den Altweltkamelen – dem einhöckrigen Dromedar und dem zweihöckrigen Trampeltier – die Familie der Kamele. Trotz der offensichtlichen Größenunterschiede sind Alpaka und Kamel also verwandt. Für die Haltung in Deutschland sind vor allem Alpaka und Lama relevant; wer zwischen beiden schwankt, findet die praktische Entscheidungshilfe im Vergleich Alpaka oder Lama.
Die vier auf einen Blick unterscheiden
| Art | Größe | Ohren und Kopf | Faser | Vorkommen |
|---|---|---|---|---|
| Alpaka | Klein, meist 55–85 kg | Kurz, gerade, spitz; Kopf dicht bewollt | Fein, auf Vliesertrag gezüchtet | Domestiziert, weltweit gehalten |
| Lama | Groß, meist 130–200 kg | Lang, nach innen gebogen; Gesicht freier | Gröber, mit deutlichem Grannenhaaranteil | Domestiziert, weltweit gehalten |
| Guanako | Groß, schlank | Lang; kontrastreiche Gesichtszeichnung | Zweischichtig, feine Unterwolle | Wild, Südamerika |
| Vikunja | Am zierlichsten | Kurz; sehr schlanker Hals | Feinste Kamelidenfaser, rund 12–13 Mikron | Wild, Hochanden |
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Häufige Fragen
Welche Neuweltkamele gibt es?
Vier Arten: die domestizierten Alpaka und Lama sowie die wilden Guanako und Vikunja. Alpaka stammt vom Vikunja ab, das Lama vom Guanako.
Ist ein Alpaka mit dem Kamel verwandt?
Ja. Neuweltkamele wie das Alpaka gehören zusammen mit den Altweltkamelen (Dromedar, Trampeltier) zur Familie der Kamele – trotz der großen Größenunterschiede.
Stammt das Alpaka wirklich nur vom Vikunja ab?
Das Vikunja gilt als die Stammform, aber ganz so eindeutig ist die Linie nicht. Die vier Neuweltkamele sind untereinander kreuzbar, und über Jahrhunderte ist das auch passiert – besonders nach der spanischen Eroberung, als die gezielte Zucht weitgehend zusammenbrach. Genetische Untersuchungen finden bei vielen heutigen Alpakas deshalb auch Lama- beziehungsweise Guanako-Anteile.
Was ist der Unterschied zwischen Guanako und Vikunja?
Beide leben wild in Südamerika. Das Guanako ist die größere, kräftigere Art und gilt als Stammform des Lamas; es hat eine zweischichtige Faser mit feiner Unterwolle. Das Vikunja ist die zierlichste Art, lebt in den Hochanden und trägt mit rund 12 bis 13 Mikron die feinste Faser aller Kameliden – aus ihm ging das Alpaka hervor.
Warum ist Vikunjawolle so teuer?
Weil die Tiere wild leben, nur lebend geschoren werden dürfen und dabei sehr wenig Material liefern – bei zugleich außergewöhnlicher Feinheit von rund 12 bis 13 Mikron. Das ist auch der Grund, warum kein Alpakaprodukt an Vikunja heranreicht, egal wie es beworben wird.
Belege & Vertiefung
Quellen dieses Leitfadens
Auf Basis der folgenden Fachquellen erstellt und laufend gepflegt. Zuletzt redaktionell bearbeitet am 31. Juli 2026; redaktioneller quellenabgleich am 9. August 2026.
Das ist ein redaktioneller Abgleich der Aussagen mit den angegebenen Quellen – keine Prüfung oder Freigabe durch eine Tierarztpraxis, keine klinische Validierung und keine individuelle Beratung.
- Merck Veterinary ManualManagement of Llamas and Alpacas ↗Belegt die Haltungs- und Fütterungsgrundlagen, die für alle gehaltenen Neuweltkameliden gelten, sowie die artspezifischen Zaunhöhen.
- Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und VeterinärwesenLamas und Alpakas ↗Behördliche Mindestanforderungen des Schweizer Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen: Haltung in Gruppen mit Artgenossen – ausdrücklich auch dann, wenn Tiere als Schutztiere für andere Arten dienen –, Stall mit Schutz vor Wind, Nässe, Sonne und Kälte für alle Tiere gleichzeitig, Anbinden verboten, jederzeit Zugang zu Raufutter oder Weide und zu frischem Wasser, regelmäßige Kontrolle und Kürzung der Zehennägel sowie Kontrolle der Kampfzähne bei Hengsten ab 2,5 Jahren.
- Kadwell u. a., Proceedings of the Royal Society B 268 (2001), via PubMed CentralGenetic analysis reveals the wild ancestors of the llama and the alpaca ↗Belegt die Abstammung: Mitochondriale DNA ordnet 80 Prozent der Lama- und Alpakasequenzen der Guanako-Linie zu, Mikrosatelliten zeigen dagegen hohe genetische Ähnlichkeit zwischen Alpaka und Vikunja. Die Arbeit schlägt daraus die Umbenennung des Alpakas in Vicugna pacos vor und weist bidirektionale Hybridisierung nach.
- Animal Genetics / PubMedIndependent domestications and hybridisation in South American camelids ↗Ordnet Alpaka, Lama, Vikunja und Guanako genetisch ein und erklärt Domestikation und Hybridisierung.