Alpakas werden in der Regel einmal jährlich vor der heißen Jahreszeit vollständig und fachkundig geschoren. Der Schertag braucht trockene Tiere, rutschfeste Arbeitsfläche, klare Rollen, sichere Fixation, beschriftete Sammelbehälter und einen Plan für Wunden oder auffällige Haut. Faser wird nach Körperzone und Qualität getrennt, trocken gelagert und erst sauber beurteilt.
Das Wichtigste
Die Schur ist Hitzeschutz und Gesundheitskontrolle, nicht nur Faserernte.
Nasses Vlies erschwert Schur, Hygiene und Lagerung.
Ruhige, kurze Abläufe mit trainiertem Team sind sicherer als improvisierte Kraft.
Faser aus Decke, Hals/Beinen und stark verschmutzten Bereichen getrennt halten.
Vier Wochen bis einen Tag vorher
Die jährliche Schur ist kein kosmetischer Luxus, sondern Tierschutz. Alpakas können ihr dichtes Vlies nicht selbst abwerfen; ungeschoren drohen ihnen im mitteleuropäischen Sommer Hitzestress und im schlimmsten Fall der Hitzschlag. Der Schertag ist deshalb einer der wichtigsten Termine im Jahr – und mit guter Vorbereitung ist er für alle Beteiligten kurz, ruhig und stressarm.
- Erfahrene Scherperson, Termin, Helferzahl und Schlechtwetteralternative bestätigen.
- Tiere identifizieren; Trächtigkeit, Erkrankungen und Verhaltensbesonderheiten mitteilen.
- Arbeitsplatz trocken, gut beleuchtet, stromsicher und für Außenstehende gesperrt vorbereiten.
- Tieretiketten, Säcke/Boxen, Erste-Hilfe-Material, Waage und Dokumentation bereitlegen.
- Tiere trocken halten und Fütterungsanweisung der Scherperson befolgen; Wasser nicht unnötig entziehen.
Die Schur ist keine Wetterfrage
Der häufigste Fehler beim Schurtermin ist, ihn vom Wetter abhängig zu machen. Ein ungeschorenes Alpaka kann seine Wärme im Sommer nicht abgeben – unabhängig davon, wie kühl es am Schurtag war oder wie warm es danach wird. Der Termin gehört in die Jahresplanung, nicht in die Wettervorhersage.
Der zweite Fehler ist das übersprungene Jahr. Ein ausgelassener Schurtermin führt häufig zu Verfilzung und ungleichmäßigem Wuchs; das Ergebnis ist mehr Material in schlechterer Qualität, und der Verlust betrifft die ganze Partie.
Was tatsächlich vom Wetter abhängt, ist die Woche danach: Frisch geschorene Tiere brauchen Witterungsschutz, weil ihnen die Isolierung nach beiden Seiten fehlt. Das ist ein Argument für einen trockenen Unterstand, nicht für einen späteren Termin.
Am Tier
- 01
Herdenweise ruhig in den Vorbereich bringen und nur das nächste Tier separieren.
- 02
Identität prüfen, Gewicht und BCS je nach Ablauf vor oder nach der Schur erfassen.
- 03
Fachgerecht fixieren; Kopf und Gliedmaßen ständig sichern, Atmung beobachten.
- 04
Vlies nach Zonen aufnehmen, parallel Haut, Körperkondition, Nägel und Zähne kontrollieren.
- 05
Schnittverletzungen sofort beurteilen und versorgen lassen; Tier erst stabil zurückstellen.

Der Schertag ist der beste Untersuchungstermin des Jahres
Am Schertag ist das Tier ohnehin fixiert und die Faser weg – zwei Bedingungen, die sonst nie gleichzeitig gelten. Das macht diesen Tag zum günstigsten Zeitpunkt für alles, was Sicht und Griff am ganzen Körper verlangt.
Sinnvoll ist deshalb, den Termin bewusst als Kontrolltermin mitzuplanen und nicht nur als Faserernte.
- Körperkondition ertasten und dokumentieren – ohne Vlies zum einzigen Mal im Jahr auch sichtbar.
- Gewicht erfassen, wenn eine Waage vorhanden ist.
- Haut vollständig durchsehen: Krusten, kahle Stellen, Parasitenbefall, alte Verletzungen.
- Nägel kontrollieren und bei Bedarf schneiden.
- Zähne ansehen lassen oder zumindest den Kieferbereich abtasten.
- Auffälligkeiten fotografieren und mit Datum ablegen – der Vergleich im nächsten Jahr ist mehr wert als die Erinnerung.
Faser sauber sortieren
Sortiert wird direkt am Schurtag, nicht später. Ein Vlies, das erst in den Sack und dann irgendwann auf den Tisch kommt, verliert seine Ordnung: Zweite Schnitte verteilen sich, Heureste arbeiten sich ein, und die Zonen lassen sich nicht mehr auseinanderhalten. Wer die zehn Minuten pro Tier direkt investiert, hat am Ende ein Los, das eine Spinnerei annimmt.
| Partie | Vorgehen | Ziel |
|---|---|---|
| Decke / First quality | Sauber aufnehmen, groben Schmutz entfernen, separat | Feine, gleichmäßige Hauptfaser |
| Hals und Beine | Nach Feinheit und Länge prüfen, getrennt | Zweite Qualität oder Spezialverwendung |
| Bauch, Schwanz, stark verschmutzt | Konsequent aussortieren | Kontamination der guten Partie vermeiden |
Aus unserer eigenen Haltung
Unser erster Schertag war für mich aufregender als für die Tiere. Inzwischen ist es fast ein kleines Hoffest: ein erfahrener Scherer, klare Abläufe, und danach drei geradezu beschwingte Alpakas, die sich sichtlich leichter fühlen. Und ich stehe jedes Mal mit einer Handvoll frischer Faser da und bin aufs Neue baff, wie weich das ist. – Fabian
– Fabian · Die ganze Geschichte
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Häufige Fragen
Wie oft müssen Alpakas geschoren werden?
In der Regel einmal jährlich, meist im Frühjahr bis Frühsommer vor der Hitze. Ungeschorene Alpakas riskieren im Sommer Hitzestress; die Schur ist deshalb eine tierschutzrelevante Pflicht, kein optionaler Beauty-Termin.
Kann man Alpakas selbst scheren?
Möglich, aber anspruchsvoll: Die Tiere werden dafür schonend fixiert, und Fehler können verletzen oder stark stressen. Viele Halter beauftragen erfahrene Alpaka-Scherer, die routiniert, schnell und tierschonend arbeiten – gerade bei kleinen Beständen die ruhigere Lösung.
Belege & Vertiefung
Quellen dieses Leitfadens
Auf Basis der folgenden Fachquellen erstellt und laufend gepflegt. Zuletzt redaktionell bearbeitet am 10. August 2026; redaktioneller quellenabgleich am 9. August 2026.
Das ist ein redaktioneller Abgleich der Aussagen mit den angegebenen Quellen – keine Prüfung oder Freigabe durch eine Tierarztpraxis, keine klinische Validierung und keine individuelle Beratung.
- Tierärztliche Vereinigung für TierschutzHaltung und Vorführung von Kameliden (TVT-Merkblatt 2.1) ↗Belegt die fachliche Untergrenze der Schur: Alpakas und Lamas sind regelmäßig und spätestens alle zwei Jahre zu scheren, vorzugsweise im Frühjahr.
- Australian Alpaca AssociationAlpaca Care ↗Praxisleitfaden eines Zuchtverbands zu Schur und Fasersortierung.
- New Zealand Ministry for Primary IndustriesCode of Welfare: Llamas and Alpacas ↗Neuseeländischer Welfare-Code für Lamas und Alpakas: behördlicher Maßstab dafür, dass die Schur rechtzeitig, fachgerecht und stressarm durchzuführen ist.
- Merck Veterinary ManualManagement of Llamas and Alpacas ↗Management-Kapitel mit Schur, Pflegeintervallen und Handling.
- MuD-Tierschutzprojekt NeuweltkamelidenTiergesundheitsmanagementplan und Checkliste für Tierhalter:innen ↗Praxis-Checkliste zu Pflegeterminen, Kondition und Dokumentation.
- Peer-reviewte Tierphysiologie / PubMedThermoregulation of alpacas bred in Italy ↗Stützt die saisonale Planung der Schur und die Vorsorge gegen Auskühlung nach dem Scheren.