Nein. Alpakas sind keine Reittiere, auch nicht für kleine Kinder: Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz schreibt in ihrem Merkblatt zu Neuweltkameliden (Stand Januar 2026) ausdrücklich, dass sie als Reittiere nicht geeignet sind. Ein ausgewachsenes Alpaka wiegt meist 55 bis 85 kg – ein Erwachsener wöge auf seinem Rücken fast so viel wie das Tier selbst, und schon ein Kindergartenkind brächte einen Anteil, den nicht einmal Lamas im Alltag tragen. Lamas sind Lasttiere und dürfen trainiert Gepäck tragen, geritten werden aber auch sie nicht. Wer Kindern Alpakas nahebringen will, lässt sie beobachten, begleitet führen und etwas über die Wolle lernen – geritten wird auf Pferden, Ponys und Großkamelen.
Das Wichtigste
Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz stuft Alpakas und Lamas in ihrem Merkblatt 131.8 (Stand Januar 2026) als nicht geeignet zum Reiten ein.
Lamas sind Lasttiere: Laut Merck Veterinary Manual können sie bis zu 60 kg tragen, werden aber selten mit mehr als 20 kg beladen.
Für Alpakas nennt keine der gelesenen Fachquellen eine Traglast – sie wurden als Faserlieferanten gezüchtet, nicht als Packtiere.
Paragraf 3 des Tierschutzgesetzes verbietet, einem Tier Leistungen abzuverlangen, die offensichtlich seine Kräfte übersteigen.
Reiten ist bei Kamelen eine Sache der Großkamele: Dromedar und Trampeltier werden als Reittiere genutzt, Alpaka und Lama nicht.
Warum die Antwort so eindeutig Nein lautet
Bei vielen Tierfragen lautet die ehrliche Antwort „kommt darauf an“. Hier nicht. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) hat ihr Merkblatt zu Neuweltkameliden im sozialen Einsatz im Januar 2026 neu gefasst und darin gleich im ersten Abschnitt festgehalten: Als Reittiere oder reine Streicheltiere sind Alpakas und Lamas nicht geeignet. Ein paar Seiten weiter wird das für das größere der beiden Tiere noch einmal zugespitzt: Lamas sind zwar Lasttiere, zum Reiten aber keinesfalls geeignet. Wenn das schon für das Lama gilt, stellt sich die Frage beim deutlich kleineren Alpaka nicht mehr.
Dahinter steht kein Geschmacksurteil, sondern Nutzungsgeschichte. Alpakas werden seit ihrer Domestikation vor rund 4.000 Jahren vor allem wegen ihrer Faser gehalten, Lamas waren in ihrer Domestikation Lasttiere. Reiten kommt in der Geschichte, die die Fachquellen für beide beschreiben, nicht vor. Das unterscheidet sie von ihren entfernten Verwandten: Die TVT beschreibt Dromedar und Trampeltier in ihrem Merkblatt zu Kameliden ausdrücklich als Last-, Zug- und Reittiere und nennt Kamelreiten dort sogar als mögliche Beschäftigung. Wer also „Kamelreiten“ gehört hat und daraus schließt, bei den kleinen Verwandten ginge das auch, verwechselt zwei Tiergruppen, die sich in Größe und Nutzung grundlegend unterscheiden.
Dazu kommt das Recht. Paragraf 3 des Tierschutzgesetzes verbietet, einem Tier außer in Notfällen Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen. Die TVT stellt genau diese Vorschrift an den Anfang ihrer Kriterien für den Einsatz von Neuweltkameliden in tiergestützten Angeboten. Ein Reitangebot mit Alpakas steht damit nicht in einer Grauzone, sondern gegen die einhellige Einschätzung der Fachgesellschaft.
Die Zahlen: Tier, Reiter, Gepäck
Ein ausgewachsenes Alpaka wiegt meist 55 bis 85 kg bei etwa 80 bis 100 cm Widerristhöhe. Ein erwachsener Mensch wiegt oft genauso viel. Auf dem Rücken eines Alpakas hieße das: Das Tier trüge ungefähr sein eigenes Körpergewicht noch einmal. Bei Kindern ist die Rechnung nur scheinbar harmloser. Ein Kind mit 25 kg auf einem Alpaka von 60 kg entspricht gut 40 Prozent des Körpergewichts. Zum Vergleich: Selbst Lamas, die als Lasttiere gezüchtet sind, werden laut Merck Veterinary Manual selten mit mehr als 20 kg beladen – bei einem Lama von 130 kg sind das rund 15 Prozent.
Hinzu kommt, dass ein Kind keine Packtasche ist. Gepäck ist festgezurrt, gleichmäßig verteilt und bewegt sich nicht. Ein Kind rutscht, hält sich am Hals fest, lehnt sich zur Seite, will absteigen, wenn das Tier sich bewegt. Alpakas sind Fluchttiere und, wie die TVT schreibt, Distanztiere, die direkten Körperkontakt selbst unter Artgenossen nur in Ausnahmen suchen oder dulden. Ein Mensch auf dem Rücken ist eine Belastung, die sich in keiner Prozentzahl abbilden lässt.
| Alpaka | Lama | Dromedar und Trampeltier | |
|---|---|---|---|
| Körpergewicht ausgewachsen | meist 55 bis 85 kg | meist etwa 130 bis 200 kg – gut das Doppelte eines Alpakas, teils mehr | 500 bis 1.000 kg (TVT) |
| Wofür gezüchtet | Faser | Lasttier, außerdem Faser und Herdenschutz | Last-, Zug- und Reittier, dazu Milch, Fleisch, Wolle |
| Gepäck tragen | keine belegte Traglast; nicht als Packtier gezüchtet | ja, nach Training; Richtwerte gehen auseinander (siehe unten) | ja |
| Reiten | nein | nein, auch nicht mit Kindern | ja, traditionell |
Und das Lama? Lasttier ja, Reittier nein
Beim Lama lautet die Frage nicht, ob es tragen darf, sondern wie viel. Und genau da gehen die Quellen deutlich auseinander. Das Merck Veterinary Manual schreibt, Lamas könnten bis zu 60 kg auf dem Rücken tragen, würden aber selten mit mehr als 20 kg beladen. Der US Forest Service, der Lamas für Wegearbeiten in Schutzgebieten einsetzt, nennt bis zu einem Drittel des Körpergewichts, rund 60 bis 80 Pfund, also etwa 27 bis 36 kg. Die Rocky Mountain Llama and Alpaca Association, ein Züchterverband, schreibt, ein kräftiges Lama könne 25 bis 30 Prozent seines Körpergewichts tragen, und beziffert das mit 70 bis 95 Pfund, etwa 32 bis 43 kg.
Diese Spannen lassen sich nicht sauber zu einer Zahl verrechnen, und das soll hier auch niemand versuchen. Rechnet man die Prozentangaben mit den Pfundzahlen zurück, ergeben sich unterschiedliche angenommene Tiergewichte – beim Forest Service ein eher leichtes Lama. Es sind Faustregeln aus der Praxis, keine Messwerte. Praktisch heißt das: Die belastbarste Aussage ist die vorsichtigste. Merck beschreibt 20 kg als das, was selten überschritten wird, und jede Obergrenze setzt ein gesundes, ausgewachsenes und trainiertes Tier voraus. Die TVT verlangt, dass die Belastung zu Alter, Veranlagung und Trainingszustand des einzelnen Tieres passt.
Reiten folgt daraus trotzdem nicht. Gepäck ist eine ruhende, festgeschnallte Last, die sich auf einen Packsattel verteilt. Die TVT trennt beides deshalb ausdrücklich: Lasttier ja, Reittier nein. Wer mit Gepäck unterwegs sein will, findet die Unterschiede zwischen Lama- und Alpakatouren im Vergleich zum Wandern mit beiden Arten.
Was Alpakas auf einer Wanderung tragen – und was nicht
Auf einer Alpakawanderung trägt das Alpaka in aller Regel nichts außer seinem Halfter. Das Gepäck der Gäste bleibt bei den Gästen. Der Alpaka-Züchterverband AOA beschreibt die Arbeitsteilung knapp: Lamas werden vor allem zum Packen oder als Herdenschutz genutzt, Alpakas vor allem wegen ihres Vlieses gehalten. Für die Tourenplanung heißt das:
- Eine belastbare Traglast für Alpakas nennt keine der für diesen Artikel gelesenen Fachquellen. Wer Alpakas trotzdem Satteltaschen auflegt, bewegt sich ohne Richtwert – das ist kein Argument für „ein bisschen“, sondern für „gar nicht“.
- Das TVT-Merkblatt zählt zur Ausbildung von Neuweltkameliden gegebenenfalls die Gewöhnung an einen Sattel. Das ist die Grundlage für Lamas im Packeinsatz, keine Einladung, Alpakas zu beladen.
- An einem Ausflug nehmen laut TVT immer mindestens zwei, besser drei Tiere teil; trächtige Stuten und Stuten mit Cria bei Fuß bleiben zu Hause.
- In der Regel geht jedes Tier höchstens auf eine Wanderung am Tag. Ab etwa zwei bis drei Stunden inklusive Transport gehören Pausen zum Fressen und Wiederkäuen dazu.
- Die Landestierschutzbeauftragte Hessen rät von Touren in sommerlicher Hitze ab und hält Lama- und Alpakawanderungen insgesamt für kritisch zu sehen – mit Tieren, die charakterlich passen, begrenzten Einsatzzeiten und angemessenen Traglasten seien sie tiergerecht machbar.
Kinder aufsetzen – auch nicht kurz fürs Foto
Die häufigste Variante der Frage kommt von Eltern: nur das Kind, nur zwei Minuten, nur fürs Foto. Im Netz kursieren dafür sogar Gewichtsgrenzen, meist in amerikanischen Pfund und auf Ratgeberseiten ohne Autor oder Beleg. Eine Fachquelle, die eine solche Grenze für Alpakas nennt, gibt es in der für diesen Artikel gelesenen Literatur nicht. Die TVT formuliert keine Ausnahme für Kinder, sondern schließt Alpakas und Lamas als Reittiere generell aus.
Das Foto ist dabei nicht das kleinere Problem, sondern oft das größere. Ein Alpaka, das festgehalten wird, damit ein Kind auf den Rücken gesetzt werden kann, erlebt zweierlei, das die TVT als Belastung aufzählt: Nähe und unerwünschte Berührung durch fremde Personen und fehlende Rückzugsmöglichkeit. Hinzu kommt, dass Neuweltkameliden Schmerz kaum äußern. Ein Tier, das stillhält, hält nicht still, weil es ihm nichts ausmacht.
Was Kinder stattdessen mit Alpakas machen können
Der Wunsch hinter der Frage ist meistens Nähe zum Tier. Die lässt sich ohne Sattel herstellen, und die TVT beschreibt die tiergerechten Wege ziemlich konkret. Eine gute Reihenfolge für einen Hofbesuch mit Kindern:
- 01
Beobachten. Die Herde beim Fressen, Wälzen und bei der Rangordnung zu sehen, zählt die TVT ausdrücklich zu den tiergerechten Angeboten. Die Landestierschutzbeauftragte Hessen fragt sogar, ob die Beobachtung auf der Weide nicht schon genügt.
- 02
Vorher lernen, dann führen. Wer ein Tier führt, sollte vorher Körpersprache und Stresszeichen erklärt bekommen und das Führen im vertrauten Umfeld der Tiere üben. Die TVT schlägt dafür eine Art „Neuweltkameliden-Diplom“ vor, bei dem Pflegeaufgaben und Führtraining einer Tour vorgeschaltet sind.
- 03
Ein Tier, eine Person. Zwei Kinder an einem Strick schränken das Tier stärker ein als eine Person; ein Wechsel der führenden Person während der Tour sollte möglichst nicht eingeplant werden.
- 04
Begegnung auf Abstand. In der freien Begegnung entscheidet das Alpaka, ob es näher kommt. Das ist für Kinder oft eindrucksvoller als jedes erzwungene Streicheln.
- 05
Wolle statt Rücken. Die TVT nennt Angebote rund um Wolle, Herkunft, Haltung und Fütterung als Ersatz für direkten Körperkontakt – Vlies anfassen, Faser vergleichen, sehen, was aus einem Schurtag wird.
- 06
Wenn es Reiten sein soll: auf Pferd, Pony oder Kamel. Das sind Tiere, die dafür gezüchtet und ausgebildet werden, mit Angeboten, die darauf ausgelegt sind.
Woran man ein Angebot erkennt, das nicht passt
- Reiten, „Aufsitzen“ oder Fotos auf dem Alpaka werden angeboten oder auf Nachfrage erlaubt.
- Alpakas tragen Gepäck der Gäste oder Kindersättel, auch „nur kurz“.
- Ein Tier ist allein unterwegs, oder dieselben Tiere laufen mehrere Touren am selben Tag.
- Werbung mit „Alpakakuscheln“ oder „Fohlen-Kuscheln“. Die TVT bezeichnet solche Inserate ausdrücklich als tierschutzwidrig.
- Niemand erklärt vorher, wie man führt und woran man Stress erkennt.
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Häufige Fragen
Kann man Alpakas reiten?
Nein. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz stuft Alpakas und Lamas in ihrem Merkblatt zu Neuweltkameliden ausdrücklich als nicht geeignet zum Reiten ein. Alpakas wiegen meist 55 bis 85 kg und wurden als Faserlieferanten gezüchtet, nicht als Reit- oder Lasttiere.
Dürfen kleine Kinder auf einem Alpaka sitzen?
Nein, auch nicht kurz fürs Foto. Eine Ausnahme für Kinder nennt keine Fachquelle; schon ein Kind mit 25 kg entspräche auf einem 60-kg-Alpaka gut 40 Prozent seines Körpergewichts. Dazu kommt Stress durch Festhalten und fehlenden Rückzug, und ein Tier, das sich wehrt, gefährdet auch das Kind.
Wie viel kann ein Alpaka tragen?
Dafür gibt es keinen belegten Richtwert, weil Alpakas nicht als Packtiere gezüchtet und eingesetzt werden. Auf Wanderungen trägt ein Alpaka normalerweise nur sein Halfter; das Gepäck bleibt bei den Menschen.
Wie viel kann ein Lama tragen?
Die Angaben gehen auseinander. Das Merck Veterinary Manual nennt bis zu 60 kg, schreibt aber, dass Lamas selten mit mehr als 20 kg beladen werden. Der US Forest Service nennt bis zu einem Drittel des Körpergewichts, ein Züchterverband 25 bis 30 Prozent. Laut TVT muss die Belastung zu Alter, Veranlagung und Trainingszustand des einzelnen Tieres passen.
Kann man Lamas reiten?
Nein. Lamas sind Lasttiere und dürfen nach Training Gepäck tragen, zum Reiten sind sie laut Tierärztlicher Vereinigung für Tierschutz aber keinesfalls geeignet – auch nicht für Kinder.
Warum kann man Kamele reiten, Alpakas aber nicht?
Weil es verschiedene Tiere sind. Dromedar und Trampeltier sind Großkamele mit 500 bis 1.000 kg Körpergewicht und werden traditionell als Reit-, Last- und Zugtiere genutzt. Alpaka und Lama sind die viel kleineren südamerikanischen Verwandten und wurden für Faser beziehungsweise als Lasttier gezüchtet.
Was können Kinder auf einem Alpakahof stattdessen machen?
Die Herde beobachten, nach einer Einweisung ein Tier an der Leine führen, Alpakas in der freien Begegnung selbst entscheiden lassen, ob sie näher kommen, und etwas über Wolle und Haltung lernen. Wer reiten möchte, ist bei Pferden, Ponys oder Kamelen richtig.
Belege & Vertiefung
Quellen dieses Leitfadens
Auf Basis der folgenden Fachquellen erstellt und laufend gepflegt. Zuletzt redaktionell bearbeitet am 24. September 2026; redaktioneller quellenabgleich am 24. September 2026.
Das ist ein redaktioneller Abgleich der Aussagen mit den angegebenen Quellen – keine Prüfung oder Freigabe durch eine Tierarztpraxis, keine klinische Validierung und keine individuelle Beratung.
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.Merkblatt Nr. 131.8: Neuweltkameliden im sozialen Einsatz (Stand Januar 2026) ↗Neufassung vom Januar 2026: Alpakas und Lamas sind als Reittiere nicht geeignet, Lamas sind Lasttiere, aber keinesfalls zum Reiten geeignet. Die Fassung von 2011 hatte noch allgemein formuliert, Neuweltkameliden könnten als Packtiere ausgebildet werden.
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.2.1 Haltung und Vorführung von Kameliden ↗Belegt, dass Großkamele als Last-, Zug- und Reittier genutzt werden, Kamelreiten bei ihnen als Beschäftigung genannt wird, sowie das Körpergewicht von 500 bis 1.000 kg.
- Merck Veterinary ManualOverview of Llamas and Alpacas ↗Belegt, dass Lamas bis zu 60 kg tragen können, aber selten mit mehr als 20 kg beladen werden, und dass Alpakas wegen ihrer Faser gehalten werden.
- US Forest Service (Lisa Mellick, 2024)Special summer help joins Leadville Ranger District ↗Behördliche Praxisangabe zur Lama-Traglast: bis zu einem Drittel des Körpergewichts, rund 60 bis 80 Pfund.
- Rocky Mountain Llama and Alpaca AssociationAbout Packing with Llamas ↗Verbandsangabe zur Lama-Traglast: 25 bis 30 Prozent des Körpergewichts (70 bis 95 Pfund); weicht von Merck und Forest Service ab.
- Alpaca Owners Association (AOA)About Alpacas ↗Belegt die Arbeitsteilung: Lamas werden vor allem zum Packen oder als Herdenschutz genutzt, Alpakas vor allem wegen ihres Vlieses gehalten.
- Landestierschutzbeauftragte des Landes HessenNeuweltkameliden ↗Belegt die behördliche Einschätzung, dass Lama- und Alpakawanderungen kritisch zu sehen sind, nur mit geeigneten Tieren, begrenzten Einsatzzeiten und angemessenen Traglasten tiergerecht sind, nicht bei sommerlicher Hitze stattfinden sollen und dass Beobachtung auf der Weide genügen kann.