Handbuch · Training und Handling

Alpaka-Training: das Handbuch

Raum statt Kraft. Balance statt Festhalten. Fragen statt Fordern.

Ein zusammenhängender Weg vom ersten Betreten der Weide bis zum Alpaka, das sich fangen, halftern, führen, anfassen, die Füße geben und verladen lässt – ohne dass dabei jemand gewinnen muss. Mit Stufenplan, Übungskarten, Problemlöser und den Gründen, warum das alles funktioniert.

Kapitel
14
Übungskarten
28
Problembilder
14
Lesezeit
52 Min.

Von Fabian · Stand 29. September 2026 · redaktioneller Quellenabgleich, keine tierärztliche Beratung

So nutzt du das Handbuch

Niemand muss dieses Handbuch am Stück lesen. Es ist so gebaut, dass du mit deiner Frage einsteigst und von dort weiterblätterst. Drei typische Wege:

Acht Grundsätze

Alles Weitere in diesem Handbuch ist eine Anwendung dieser acht Sätze. Wenn es an einer Stelle nicht weitergeht, liegt die Lösung fast immer darin, zu diesem Kapitel zurückzublättern.

  1. 1

    Raum schlägt Kraft

    Ein kleiner, gut gebauter Bereich erledigt, wofür man sonst Muskeln bräuchte. Wenn eine Aufgabe nicht klappt, ist die erste Frage nicht „Wie halte ich fester?“, sondern „Wie mache ich den Raum kleiner?“ – ohne Anlauf gibt es keinen Schwung, und ohne Schwung keinen Kampf.

  2. 2

    Balance vor Halt

    Für ein Fluchttier ist Stürzen lebensgefährlich. Ein Alpaka, das sich aus dem Gleichgewicht gebracht fühlt, wehrt sich gegen den Sturz, nicht gegen dich. Wer stützt statt klemmt, bekommt Stillstand ohne Gegenwehr.

  3. 3

    Der Kopf gehört dem Alpaka

    Kontakt beginnt an Hals und Körper, nicht im Gesicht. Der Kopf wird bei Bedarf gestützt, nie gegriffen, nie an den Ohren gehalten. Ein Tier, dessen Kopf in Ruhe gelassen wird, lässt ihn sich später auch anfassen.

  4. 4

    Hinter dem Auge arbeiten

    Wo du im Verhältnis zum Auge des Tieres stehst, ist bereits ein Signal: Hinter dem Auge schickt es nach vorn, vor dem Auge bremst oder wendet es. Frontal und fixierend ist die Haltung eines Beutegreifers.

  5. 5

    Kleiner, als du denkst

    Jede Übung wird so weit zerlegt, dass das Tier den nächsten Schritt schaffen kann. Wenn es nicht schafft, war der Schritt zu groß – nicht das Tier zu stur. Rückschritte sind keine Niederlage, sondern die schnellste Richtung nach vorn.

  6. 6

    Du trainierst immer

    Jede Begegnung ist eine Lektion, auch das Füttern, das Ausmisten und der Besuch der Nachbarskinder. Was ein Alpaka bei dir erlebt, lernt es – ob du es beabsichtigt hast oder nicht. Deshalb müssen sich alle Menschen am Hof gleich verhalten.

  7. 7

    Das Tier darf Nein sagen

    Frühe, leise Signale – ein angehobener Kopf, eine Gewichtsverlagerung, ein Ohr nach hinten – sind Information. Wer darauf reagiert, muss selten mit lauten Signalen umgehen. Wer sie übergeht, bringt dem Tier bei, gleich laut zu werden.

  8. 8

    Erst Ausrüstung und Gesundheit, dann Charakter

    Bevor ein Alpaka „schwierig“ heißt, werden Halfter, Umgebung und Schmerz geprüft. Ein erstaunlich großer Teil dessen, was nach Sturheit aussieht, ist ein Nasenriemen auf dem Knorpel oder ein Tier, dem etwas wehtut.

Wie ein Alpaka die Welt erlebt

Ein Alpaka ist ein Fluchttier mit langem Hals, kurzem Nasenbein und einer Herde, ohne die es sich nicht sicher fühlt. Fast jedes Handling-Problem entsteht dort, wo ein Mensch eine Situation aus seiner eigenen Sicht beurteilt statt aus der des Tieres.

Fluchttier heißt: Beine und Balance sind Leben

Für ein Beutetier ist die Fähigkeit wegzulaufen die wichtigste Versicherung. Daraus folgen zwei Dinge, die im Training ständig wiederkehren. Erstens: Alles, was die Beine festlegt, wird als bedrohlich erlebt – ein gehaltener Fuß, eine Ecke ohne Ausweg, ein Arm, der den Weg nach vorn versperrt. Zweitens: Wer aus dem Gleichgewicht gerät, kann nicht fliehen. Ein Alpaka, dessen Kopf zur Seite gezogen oder dessen Gewicht auf drei Beine gezwungen wird, wehrt sich deshalb nicht gegen den Menschen, sondern gegen den drohenden Sturz. Marty McGee Bennett beschreibt die Beine als das wichtigste Verteidigungsmittel des Alpakas – im Sinne von: sich in Sicherheit bringen [10].

Nasenatmer mit kurzem Nasenbein

Alpakas atmen funktionell durch die Nase. Die British Alpaca Society beschreibt sie als weitgehend auf Nasenatmung angewiesen und vergleicht Maulatmung mit dem Versuch, einen dicken Milchshake durch einen dünnen Strohhalm zu trinken [1]. Dazu kommt ein knöchernes Nasenbein, das nur ein kurzes Stück vor dem Auge reicht; davor ist die Nase weicher Knorpel. Ein Halfter, das dorthin rutscht oder rutschen könnte, ist für das Tier keine Unbequemlichkeit, sondern eine Frage der Luft. Das erklärt, warum ein schlecht sitzendes Halfter aus einem ruhigen Tier in Sekunden ein panisches macht.

Der Hals ist ein Hebel

Der lange Hals gibt dem Alpaka eine enorme Hebelwirkung. Wer den Kopf festhält, um das Tier zu kontrollieren, bietet ein Kräftemessen an, das der Mensch nur mit viel Kraft gewinnt – und das Tier lernt dabei, den Hebel zu benutzen. Deshalb setzt gutes Handling näher am Körper an: Hand an die Halsmitte, Kopf nur stützen, Balance statt Griff.

Allein ist unsicher

Alpakas sind Herdentiere. Ein Tier, das von seinen Gefährten getrennt wird, ist vor allem damit beschäftigt, allein zu sein. Für das Training heißt das: Gefährten in Sicht- und Hörweite, bis alles andere sitzt. Eine Befragung von Windschnurer und Fischer fand außerdem, dass Alpakas, mit denen ihre Halter:innen mehr sprachen und sanfter Kontakt pflegten, ruhiger waren – und dass Training einer der stärksten Hinweise auf Tiere war, die sich leicht treiben und führen ließen [3].

Schnelle Lerner – in beide Richtungen

In einer Umweg-Aufgabe mit 51 Alpakas fanden Abramson und Kollegen keine klare Neigung, an einem einmal gelernten Weg festzuhalten – anders als bei anderen getesteten Haustieren [5]. Aus einer einzelnen Aufgabe sollte man nicht zu viel ableiten. Es passt aber zur Erfahrung vieler Halter:innen, dass Alpakas Abläufe schnell durchschauen: dass der Eimer im Fangbereich Nägelschneiden bedeutet, dass Kushen den Menschen zum Aufgeben bringt, dass Drängeln bei einer bestimmten Person Futter bringt.

Dieselbe Situation, zwei Perspektiven
Was du tust oder siehstWas das Alpaka erlebtWas daraus folgt
Du gehst direkt auf das Tier zu und schaust ihm in die Augen.Frontale, fixierende Annäherung – das Muster eines Beutegreifers.Seitlich und im Bogen annähern, Blick weich auf Schulter oder Hals.
Du greifst nach dem Kopf, um das Tier zu halten.Der Kopf ist schutzbedürftig und trägt die Nase, durch die es atmet. Ein Griff dorthin wird als Bedrohung erlebt.Kontakt am Hals beginnen; den Kopf nur stützen, nie klemmen.
Du hältst ein Bein fest, bis das Tier aufhört zu zappeln.Die Beine sind sein wichtigstes Mittel, sich in Sicherheit zu bringen. Ein festgehaltenes Bein nimmt ihm den Fluchtweg.Erst üben, dass der Fuß unten bleiben darf; hochheben kommt später und wird zurückgegeben, bevor das Tier danach fragt.
Das Halfter rutscht ein Stück die Nase hinunter.Der Nasenriemen drückt auf den weichen Knorpel. Für einen Nasenatmer fühlt sich das an, als könnte die Luft wegbleiben.Halfter hoch, dicht vor dem Auge, Genickriemen straff genug, dass nichts rutscht.
Du fängst im großen Offenstall oder auf der Weide.Viel Raum heißt Anlauf, und Anlauf heißt, dass Flucht möglich ist – also wird sie versucht.Die Herde ruhig in einen kleinen Fangbereich bringen, dort arbeiten.
Das Tier steht bei der Untersuchung ganz still.Häufig kein Einverständnis, sondern Erstarren – die leiseste Form der Angst.Auf Wiederkauen, Atmung, Ohren und Schwanz achten, nicht nur auf Bewegung.
Du nimmst ein Tier allein mit, damit es sich besser konzentriert.Ohne Herde fehlt die Sicherheit. Ein allein gelassenes Herdentier ist vor allem mit dem Alleinsein beschäftigt.Gefährten in Sicht- und Hörweite, Trennung erst spät und schrittweise üben.

Vertiefung: Körpersprache · Stress erkennen · Herde und Sozialstruktur

Wie Lernen funktioniert

Tiere lernen nach denselben Regeln, ob man sie kennt oder nicht. Wer sie kennt, trainiert absichtlich; wer sie nicht kennt, trainiert trotzdem – nur meistens das Falsche. Acht Begriffe reichen für fast alles in diesem Handbuch.

Positive Verstärkung

Auf ein Verhalten folgt etwas Angenehmes, und das Verhalten wird häufiger.

Beispiel Das Alpaka berührt mit der Nase einen Zielstab und bekommt ein Pellet in die Schale.

Negative Verstärkung: Signal und Nachgeben

Ein leichter, unangenehmer Reiz endet in dem Moment, in dem das Tier das gewünschte Verhalten zeigt. Gelernt wird am Nachlassen, nicht am Druck.

Beispiel Ein seitlicher Leinenimpuls wird locker, sobald das Alpaka sein Gewicht in diese Richtung verlagert.

Gewöhnung

Ein harmloser Reiz verliert seine Bedeutung, wenn er oft genug auftritt, ohne das Tier zu überfordern.

Beispiel Die Plane liegt erst weit weg am Zaun, dann jeden Tag ein Stück näher am Futterplatz.

Sensibilisierung

Das Gegenteil: Ein Reiz, der zu stark, zu nah oder zu lang ist, macht das Tier empfindlicher statt gelassener.

Beispiel Wer die Plane so lange wedelt, bis das Tier aufgibt, erreicht selten Gewöhnung – eher ein Tier, das schon beim Rascheln flieht.

Gegenkonditionierung

Ein Reiz, der bisher Unbehagen ausgelöst hat, wird zum Ankündiger von etwas Gutem.

Beispiel Das Klappern der Nagelschere bedeutet in jeder Übungseinheit eine Handvoll Futter – und nie, dass sofort geschnitten wird.

Markersignal

Ein kurzes, immer gleiches Geräusch sagt dem Tier punktgenau: „Genau das war es.“ Die Belohnung darf danach kommen.

Beispiel Ein Klick oder ein kurzes „Top“ im Moment der Nasenberührung, danach das Pellet.

Schwelle

Der Punkt, ab dem ein Tier nicht mehr lernt, sondern nur noch reagiert – mit Flucht, Abwehr oder Erstarren.

Beispiel Solange das Alpaka wiederkaut und die Ohren locker trägt, ist es unter der Schwelle. Ein hochgerissener Kopf heißt: darüber.

Löschung und Löschungstrotz

Bleibt die Belohnung für ein Verhalten dauerhaft aus, verschwindet es – meist nicht sofort, sondern nach einem kurzen, heftigeren Aufbäumen.

Beispiel Das Jungtier, das nie mehr Futter fürs Anstupsen bekommt, stupst erst stärker, bevor es aufhört. Wer jetzt nachgibt, hat Stärker-Stupsen belohnt.

Die Leiter der Eingriffe

Wenn ein Tier etwas nicht tut oder etwas Unerwünschtes tut, gibt es viele Wege, das zu ändern. Die Verhaltensanalytikerin Susan Friedman hat sie nach ihrer Eingriffstiefe geordnet: oben die Wege, die dem Tier die meiste Kontrolle lassen, unten die, die ihm am wenigsten lassen [6]. Die Regel: Eine Stufe tiefer geht man erst, wenn die darüberliegenden ausgeschöpft sind. Übertragen auf den Alpakahof sieht die Leiter so aus:

  1. 1

    Gesundheit, Futter, Haltung

    Schmerz, Parasiten, Mangel, Einzelhaltung oder eine unruhige Herde ausschließen. Ein Tier mit Bauchweh ist kein Trainingsproblem.

  2. 2

    Umgebung und Auslöser

    Raum verkleinern, Gefährten dazustellen, Halfter anpassen, Tageszeit ändern, den Reiz weiter weg beginnen. Die meisten Probleme enden hier.

  3. 3

    Positive Verstärkung

    Das gewünschte Verhalten so leicht machen, dass es auftritt, und es sich lohnen lassen.

  4. 4

    Alternativverhalten aufbauen

    Statt Drängeln wird Stehen an einer Station belohnt, statt Wegziehen des Kopfes das Absenken. Das Tier bekommt eine Aufgabe, die das Problem ausschließt.

  5. 5

    Signal und Nachgeben, Ausbleiben der Belohnung

    Feine Leinenimpulse, die sofort lockerlassen; eine kurze, ruhige Grenze für das distanzlose Jungtier. Nur gezielt und fein dosiert.

  6. 6

    Strafe

    Kommt in diesem Handbuch nicht vor. Sie lehrt nicht, was stattdessen zu tun ist, unterdrückt Warnsignale und hat bekannte Nebenwirkungen: Aggression, generalisierte Angst, Vermeidung.

Einrichtung und Ausrüstung

Der größte Trainingsfortschritt entsteht oft nicht am Tier, sondern am Stall. Ein Hof mit einem guten Fangbereich und ein paar beweglichen Paneelen braucht weniger Kraft, weniger Helfer und weniger Glück.

Der Fangbereich: klein genug, dass niemand rennen muss

Marty McGee Bennett nennt als Maß für einen Fangbereich etwa 2,7 × 2,7 Meter und hält alles über rund 3,7 × 3,7 Metern für zu groß: Dort wird das Tier in eine Ecke gedrängt und am Hals festgehalten, statt dass der Raum die Arbeit macht [9]. Ihre Faustregel lässt sich auf fast jedes Handling-Problem anwenden: Wenn etwas nicht klappt, mach den Bereich kleiner. Ein zusätzliches Paneel quer durch die Mitte halbiert den Fangbereich auf etwa 1,4 × 2,7 Meter – genug für ein, zwei Tiere und einen Menschen.

Der Fangbereich steht am besten dort, wo die Tiere ohnehin gern sind: am Stall, am Heuplatz, am Weidezugang. Wird dort gefüttert und nur gelegentlich gefangen, geht die Herde von selbst hinein. Wird er nur zum Behandeln geöffnet, wird er zur Warnung.

Die Herde gemeinsam in einen kleinen Fangbereich bringenZwei Personen halten eine Treibleine im weiten Bogen hinter der Herde und gehen langsam auf einen Fangbereich aus Paneelen zu, der etwa 2,7 mal 2,7 Meter misst. Ein zusätzliches Paneel in der Mitte halbiert den Bereich für die Arbeit mit einem einzelnen Tier.Stallwand oder fester ZaunFangbereich ≈ 2,7 × 2,7 mgestrichelt: Paneel zum Halbierenoffene TürLeitpaneelZwei Personen, Leine auf Brusthöheim Schritt, als Gruppe
Die Herde geht zusammen, niemand rennt. Marty McGee Bennett nennt etwa 2,7 × 2,7 Meter als Größe für einen Fangbereich; ab rund 3,7 × 3,7 Metern wird der Raum so groß, dass das Tier in die Ecke gedrängt und am Hals festgehalten werden muss.

Paneele: das vielseitigste Werkzeug am Hof

Mobile Viehpaneele lassen sich zu Fangbereich, Führgasse, Einzelstand, Wiegegang und Verladegasse zusammenstecken und bei Bedarf wieder umbauen. Bennett rät zu Paneelen mit Querstreben statt quadratischem Gitter, weil sich Beine und Füße in Gitterquadraten verfangen können, und dazu, leichte Paneele an Pfosten oder Wand zu sichern[9]. Für die ersten Führlektionen empfiehlt sie eine lange, schmale Gasse entlang eines Zauns, für die Beinarbeit einen Einzelstand von etwa 1,2–1,5 × 1,8–2,1 Metern neben den anderen Tieren [10].

Ausrüstung: wofür und worauf achten
AusrüstungWofürWorauf achten
Mobile PaneeleFangbereich, Führgasse, Einzelstand und Verladegasse aus demselben Material, jederzeit umbaubar.Querstreben statt Gitterquadraten, in denen Füße hängen bleiben können; standsicher an Pfosten oder Wand befestigt, Pfostenköpfe abgedeckt.
Treibleine oder TreibbandVerlängert die Arme. Zwei Personen halten sie wie eine wandernde Wand, allein lässt sich damit ein Tor schließen oder eine Lücke sperren.Leicht und gut sichtbar; auf Brusthöhe halten, nie über die Tiere schwingen.
Stab als verlängerter ArmBerühren, ohne mit dem ganzen Körper in die Distanzzone des Tieres treten zu müssen. Der erste Kontakt kommt so aus sicherer Entfernung.Steif und leicht, etwa eine Dressurgerte. Er streicht, er schlägt nie – sonst ist er für immer verbrannt.
Verstellbares HalfterDas einzige Kommunikationsmittel beim Führen – entsprechend wichtig ist die Passform.Nasen- und Genickriemen getrennt verstellbar, kurze Backenstücke, Kehl- und Nasenriemen durch denselben Ring. Für Jungtiere eine eigene, kleinere Größe.
FührleinenEine deutlich längere Leine für die ersten Führlektionen, eine normale für den Alltag.Nie um Hand oder Arm wickeln; ohne Schlaufe am Ende, die sich verfangen kann.
Belohnungsfutter und SchaleKleine Portionen des gewohnten Futters für positive Verstärkung.Aus der Tagesration abzweigen, nicht zusätzlich geben. In einer flachen Schale anbieten statt aus der offenen Hand, wo Jungtiere zu drängeln lernen.
Marker und ZielstabKlicker oder ein kurzes Wort für den genauen Moment; ein Stab mit auffälligem Ende als Ziel für die Nase.Ein Marker bedeutet immer, dass Futter folgt. Wer ohne Futter klickt, entwertet ihn.

Das Halfter: erst die Passform, dann das Training

Kein anderes Ausrüstungsteil verändert das Verhalten eines Alpakas so schnell wie ein richtig angepasstes Halfter. Die British Alpaca Society beschreibt, dass ein falsch sitzendes Halfter Tiere glauben lassen kann, sie würden gleich ersticken, und dass daraus Kushen, Durchgehen, Steigen und Panik entstehen können [1]. Bennett nennt die Mitte des Nasenbeins eine „Gefahrenzone“: Dort sitzt der Nasenriemen scheinbar ordentlich, kann aber bei Zug nach vorn abrutschen[8].

Richtig sitzt der Nasenriemen dicht vor dem Auge auf Knochen, gehalten von einem straffen Genickriemen hoch hinter den Ohren. Die Sorge ums Auge ist unbegründet: Das Auge liegt in einer knöchernen Höhle, und die sich verjüngende Nase verhindert, dass der Riemen darüber rutscht [8]. Halftertypen mit fester Nasenschlaufe lassen sich oft nicht sicher anpassen; verstellbare Halfter mit kurzen Backenstücken bieten den meisten Spielraum [1]. Wie das Anpassen Schritt für Schritt geht, steht in Übung B1.

Vergleich zwischen einem hoch auf dem knöchernen Nasenrücken sitzenden Nasenriemen und einem zu tief auf dem weichen Knorpel liegenden
Der Unterschied zwischen den beiden Positionen entscheidet, ob das Tier frei atmen kann.

Deine Position: Körpersprache für Menschen

Bevor du ein Alpaka berührst, hat es dich längst gelesen: wie du gehst, wohin du schaust, wo du stehst. Dein Körper ist das erste Trainingswerkzeug, und er spricht auch dann, wenn du gerade nichts sagen willst.

Positionen rund um ein Alpaka, von oben gesehenEin Alpaka von oben, Kopf nach rechts. Eine senkrechte Linie an der Schulter markiert den Balancepunkt. Wer dahinter steht, schickt das Tier nach vorn; wer davor steht, bremst es oder bringt es zum Wenden. Der Hals ist die Kontaktzone, der Kopf wird nur gestützt. Die gestrichelte Linie zeigt die Ausweichdistanz, an deren Rand gearbeitet wird.Gestrichelt: Ausweichdistanz – am Rand arbeiten, nicht hineinstürmenBalancepunkt (Schulter)Dahinter stehen:Tier geht vorwärtsDavor stehen:Tier bremst oder wendetHals: KontaktzoneKopf: nur stützenDu: an der Schulter,seitlich hinter dem AugeBlickrichtung
Wo du im Verhältnis zur Schulter und zum Auge stehst, ist bereits ein Signal. Die meisten Handgriffe in diesem Handbuch beginnen an derselben Stelle: seitlich, hinter dem Auge, mit der Hand am Hals.

Balancepunkt und Auge

Die Tierverhaltensforscherin Temple Grandin beschreibt für Nutztiere einen Balancepunkt etwa auf Höhe der Schulter: Wer dahinter steht, bringt das Tier dazu, vorwärtszugehen, wer davor steht, lässt es zurückweichen [7]. Bennett überträgt dieselbe Logik auf Kameliden und lässt Handgriffe grundsätzlich von hinter dem Auge beginnen [9]. In der Praxis heißt das: Zum Treiben stehst du hinter der Schulter, zum Bremsen trittst du ein Stück vor das Auge, und für jede Berührung stehst du seitlich an der Schulter.

Am Rand der Ausweichdistanz arbeiten

Jedes Tier hat eine Distanz, ab der es ausweicht. Grandin beschreibt, dass Tiere in Panik geraten, wenn ein Mensch zu tief in diese Zone eindringt und sie nicht ausweichen können, und dass ruhiges Treiben aus einem Wechsel besteht: in die Zone hinein, um Bewegung auszulösen, und wieder hinaus, um den Druck wegzunehmen[7]. Genau das ist das Grundmuster fast jeder Übung in Stufe A.

Tempo, Blick, Atem

  • Seitlich statt frontal. Schulter voraus, im Bogen annähern, Blick weich auf Schulter oder Hals statt fixierend auf die Augen.
  • Ruhig statt schleichend. Ein normales, gleichmäßiges Tempo ist vorhersehbar. Übertriebenes Anschleichen wirkt wie Anpirschen.
  • Sachlich berühren. Die erste Berührung ist flach und klar, kein zögerndes Tasten mit den Fingerspitzen.
  • Ausatmen als Signal. Wer beim Anhalten ausatmet und die Schultern sinken lässt, bremst ein Tier oft schon, bevor die Leine überhaupt ins Spiel kommt.
  • Nicht über das Tier beugen. Von oben über Rücken oder Kopf gebeugt zu stehen, wirkt bedrohlich und bringt dich selbst aus dem Gleichgewicht.

Dein eigener Raum

Respekt gilt in beide Richtungen. Bennett nennt etwa einen halben Meter rund um den eigenen Körper, in den ein Alpaka nicht ungefragt hineindrängt – eine freundliche Nasenbegrüßung mit gestrecktem Hals ist in Ordnung, Anrempeln und Knabbern nicht[11]. Sie rät, solches Verhalten mit flacher Hand und einem ruhigen „Zurück“ zu begrenzen, statt das Tier wegzuschieben: Wer schiebt, steigt aus Sicht des Tieres in ein Rangspiel ein.

Der Stufenplan

Fünf Stufen, 28 Übungskarten. Jede Karte sagt, was das Ziel ist, was vorher sitzen muss, wie es geht, woran du merkst, dass es sitzt – und wann du einen Schritt zurückgehst. Die Reihenfolge ist kein Dogma, aber die Stufen A und B sind die Voraussetzung für fast alles andere.

  1. AAnkommen und Einfangen7 Übungen
  2. BDas Halfter4 Übungen
  3. CFühren7 Übungen
  4. DKooperation bei der Pflege6 Übungen
  5. EMarkertraining als Ergänzung4 Übungen

Mit „Sitzt bei meinem Tier“ kannst du Übungen abhaken. Das wird nur in diesem Browser gespeichert und verlässt dein Gerät nicht.

Stufe A: Ankommen und Einfangen

Das Fundament, an dem alles andere hängt. Wer ein Alpaka nicht ruhig in einen kleinen Bereich bringen und dort berühren kann, kann es auch nicht halftern, führen oder dem Tierarzt vorstellen. Diese Stufe braucht bei den meisten Herden länger als alle anderen – und spart sie später doppelt ein.

A1

Beobachten, bevor du handelst

Ziel
Für jedes Tier wissen, wie es im entspannten Zustand aussieht und ab welcher Entfernung es ausweicht.
Vorher
Nichts.
Rahmen
Weide oder Stall, du bist nur anwesend.
  1. Setz oder stell dich an drei verschiedenen Tagen für einige Minuten an den Rand der Herde, ohne etwas zu wollen.
  2. Notiere für jedes Tier, wie es steht, wenn es entspannt ist: Ohrenhaltung, Schwanz, Kopfhöhe, ob es wiederkaut.
  3. Geh dann langsam und seitlich auf einzelne Tiere zu und merk dir, auf welche Entfernung sie sich abwenden. Bleib stehen, sobald sie reagieren, und geh wieder weg.
  4. Achte darauf, wer der Herde vorangeht und wer folgt. Beim Treiben entscheidet oft das Leittier, wohin der Rest läuft.

Sitzt, wennDu kannst für jedes Tier die Entspannungszeichen und die ungefähre Ausweichdistanz benennen.

Zurück, wennGibt es nicht – diese Übung kann man nicht zu oft machen.

Typischer FehlerBeobachten mit Füttern verwechseln. Wer mit dem Eimer kommt, sieht Futterverhalten, keine Basislinie.

A2

Die Herde in den Fangbereich bringen

Ziel
Die ganze Gruppe geht im Schritt in einen kleinen Bereich, ohne zu rennen und ohne dass ein Tier ausbricht.
Vorher
Ein Fangbereich aus Paneelen, idealerweise dort, wo die Tiere ohnehin gern stehen.
Rahmen
Fangbereich von etwa 2,7 × 2,7 m in einem Offenstall oder am Weidezugang; zu zweit mit Treibleine oder allein mit Treibband.
  1. Füttere eine Woche lang das Heu im oder direkt am Fangbereich, Tür offen. Niemand wird gefangen. Der Bereich wird zu einem normalen Ort.
  2. Zu zweit: Die Treibleine auf Brusthöhe zwischen euch spannen und weit hinter der Herde im Bogen aufstellen.
  3. Langsam gehen, nicht schleichen. Kommt Unruhe auf, stehen bleiben und warten, bis die Köpfe wieder sinken.
  4. Die Herde läuft vor euch her. Kein Tier wird einzeln getrieben – Alpakas folgen Alpakas, und ein einzelnes Tier weg von der Gruppe zu schicken, ist der sicherste Weg zu einem Ausbruch.
  5. Tür schließen, kurz stehen bleiben, dann die Tür wieder öffnen und die Tiere hinauslassen, ohne irgendetwas zu tun.
  6. Diese Leerrunde regelmäßig wiederholen, damit „in den Fangbereich gehen“ nicht immer „jetzt passiert etwas“ bedeutet.

Sitzt, wennDie Herde geht im Schritt hinein, und niemand muss rennen – weder Mensch noch Tier.

Zurück, wennTiere brechen seitlich aus, drehen um oder galoppieren: Abstand vergrößern, langsamer werden, den Bogen weiter anlegen, notfalls mit einer zusätzlichen Paneel-Leitwand arbeiten.

Typischer FehlerZu nah auflaufen. Wer in die Fluchtdistanz der hintersten Tiere hineinrennt, erzeugt Panik statt Vorwärtsbewegung.

A3

Ruhig im Fangbereich sein

Ziel
Die Tiere bleiben im Fangbereich gelassen, während ein Mensch darin steht und sich bewegt.
Vorher
A2 sitzt.
Rahmen
Die ganze Herde oder eine Gruppe von fünf, sechs Tieren im Fangbereich.
  1. Betritt den Bereich ruhig, stell dich seitlich an ein Paneel und tu nichts.
  2. Warte, bis die Tiere aufhören, sich in eine Ecke zu drücken, und wieder normal stehen. Dann gehst du hinaus.
  3. Beim nächsten Mal gehst du ein, zwei Schritte in den Raum und wieder zurück. Druck aufbauen, Druck wegnehmen.
  4. Beobachte, welche Tiere sich im Kreis bewegen und in welche Richtung. Diese Laufrichtung nutzt du später beim Fangen.

Sitzt, wennDie Tiere drehen sich nicht mehr hektisch, wenn du im Bereich bist, einzelne kauen wieder.

Zurück, wennTiere springen an den Paneelen hoch oder drängen sich übereinander: Du bist zu weit drin oder zu schnell. Einen Schritt zurück, länger warten.

Typischer FehlerZu großer Bereich. Ab etwa der Größe eines kleinen Zimmers beginnt das Rennen im Kreis.

A4

Den Raum für ein Tier kleiner machen

Ziel
Ein einzelnes Tier steht ruhig parallel zu einem Paneel, in Sichtweite seiner Gefährten, ohne dass jemand es festhält.
Vorher
A3 sitzt.
Rahmen
Fangbereich, mit einem Paneel in der Mitte halbiert, oder ein schmaler Bereich neben der Gruppe.
  1. Mit einem Gefährten zusammen in den halbierten Bereich gehen lassen – allein ist für den Anfang zu viel.
  2. Das Paneel oder deinen Körper als bewegliche Wand nutzen: Du stehst schräg hinter der Schulter, das Tier hat vor sich einen Ausweg entlang des Paneels.
  3. Sobald es seitlich am Paneel steht, den Druck herausnehmen: einen halben Schritt zurück, ausatmen.
  4. Mehrmals kurz wiederholen, dann die Gruppe wieder zusammenlassen.

Sitzt, wennDas Tier stellt sich am Paneel auf, sobald du hinter seiner Schulter Position beziehst, und bleibt einige Atemzüge stehen.

Zurück, wennDas Tier dreht sich mit dem Kopf in eine Ecke oder drückt sich an den Gefährten: Raum noch kleiner machen und den Gefährten direkt daneben lassen.

Typischer FehlerDas Tier in eine Ecke drängen. In der Ecke gibt es keinen Ausweg nach vorn, also bleibt nur der Weg durch dich hindurch.

A5

Erster Kontakt mit dem Stab

Ziel
Das Tier bleibt stehen, während ein Stab über Rücken, Schulter und Hals streicht.
Vorher
A4 sitzt.
Rahmen
Kleiner Bereich, du stehst seitlich hinter dem Auge.
  1. Den Stab zuerst ruhig zeigen, auf Höhe des Rückens, nicht vor dem Gesicht.
  2. Einen einzigen, ruhigen Strich über den Rücken führen und den Stab wieder wegnehmen – bevor das Tier weggeht.
  3. Striche verlängern: Rücken, Schulter, dann die Oberseite des Halses. Immer von hinten nach vorn arbeiten, nie zum Gesicht hin.
  4. Das Timing ist die ganze Übung: Der Stab verschwindet, solange das Tier noch steht, nicht erst, nachdem es ausgewichen ist.

Sitzt, wennDas Tier bleibt bei langen Strichen über Rücken und Hals stehen, der Kopf bleibt auf normaler Höhe.

Zurück, wennDas Tier läuft beim ersten Kontakt davon: kürzer, leichter, weiter hinten am Körper beginnen.

Typischer FehlerDen Stab erst wegnehmen, wenn das Tier ausweicht. Dann lernt es: Weglaufen beendet die Berührung.

A6

Die Hand an den Hals

Ziel
Du kannst deine flache Hand an die Mitte des Halses legen und einen Arm um den Hals führen, ohne dass das Tier flüchtet.
Vorher
A5 sitzt.
Rahmen
Kleiner Bereich, Tier parallel zum Paneel, du stehst an seiner Schulter.
  1. Dem Stab mit der Hand folgen: Die Hand gleitet den Stab entlang, bis sie selbst auf dem Hals liegt, oder ersetzt den Stab an derselben Stelle.
  2. Die erste Berührung ist flach, ruhig und sachlich, etwa in der Mitte des Halses auf der dir zugewandten Seite – kein Tasten mit den Fingerspitzen, kein Zupacken.
  3. Bleib nah am Tier und geh mit, wenn es ein paar Schritte vorwärts macht. Vorwärts ist erlaubt. Rückwärts oder weg durch dich ist es nicht.
  4. Die zweite Hand kommt locker um den Hals, direkt hinter den Kiefer – nicht ins Gesicht, nicht auf die Nase.
  5. Kurz halten, dann lösen und einen Schritt zurücktreten.

Sitzt, wennDas Tier lässt sich an der Halsmitte berühren und mit einem Arm umfassen und bleibt dabei nach zwei, drei Schritten stehen.

Zurück, wennEs springt beim Handkontakt weg: zurück zu A5 und die Hand anfangs nur ganz kurz auflegen.

Typischer FehlerDen Hals umklammern, um das Tier zu stoppen. Der lange Hals ist ein Hebel – in einem Kampf darum gewinnt das Alpaka, und es lernt, ihn zu führen.

A7

Den Kopf stützen statt greifen

Ziel
Das Tier steht, während du seinen Kopf mit einer Hand leicht unterstützt – ohne Druck auf Nase oder Gesicht.
Vorher
A6 sitzt.
Rahmen
Tier parallel zum Paneel, du hinter seinem Auge, der Arm locker um den Hals.
  1. Die Hand hinter dem Kiefer hebt sich mit dem Ellbogen etwas an und gleitet nach vorn, bis sie leicht unter dem Unterkiefer liegt, in der Mulde hinter der Unterlippe.
  2. Stell dir den Kopf als Teller auf einem Stock vor: Du balancierst ihn, du hältst ihn nicht fest.
  3. Das Tier soll weiterhin spüren, dass es vorwärtsgehen könnte. Genau deshalb bleibt es.
  4. Nach wenigen Atemzügen loslassen, zurücktreten, Pause.

Sitzt, wennDas Tier steht mehrere Atemzüge mit gestütztem Kopf ruhig und hält selbst die Balance.

Zurück, wennEs wirft den Kopf hoch oder stemmt sich: Die Hand war zu fest oder zu weit vorn. Zurück an den Hals.

Typischer FehlerDen Kopf herunterziehen oder zur Seite drehen. Das bringt das Tier aus dem Gleichgewicht, und Gegenwehr folgt zuverlässig.

Stufe B: Das Halfter

Ein Alpaka hat kein Gebiss und keine Schenkelhilfen, nur ein Halfter und eine Leine. Das Halfter ist damit das wichtigste Kommunikationsmittel – und wenn es schlecht sitzt, spricht es die ganze Zeit von Atemnot. Diese Stufe beginnt deshalb nicht am Tier, sondern am Halfter.

B1

Das Halfter anpassen, bevor es ans Tier geht

Ziel
Ein Halfter, das auf dem Nasenbein sitzt und dort bleibt – egal, was passiert.
Vorher
Ein verstellbares Halfter in passender Größe.
Rahmen
Zuerst in der Hand, dann am Tier, das A7 kann.
  1. Ertaste das Nasenbein: Vor dem Auge fühlst du festen Knochen, weiter vorn wird die Nase weich. Bei jedem Tier ist diese Strecke anders lang, bei Jungtieren sehr kurz.
  2. Den Nasenriemen vor dem Anlegen ganz weit öffnen, damit er bis dicht vor das Auge rutschen kann.
  3. Den Genickriemen hoch hinter den Ohren straff schließen. Er bestimmt, wie weit der Nasenriemen nach vorn wandern kann.
  4. Zugprobe: Den Nasenriemen von beiden Seiten nach vorn ziehen. Rutscht er vom Knochen, ist der Genickriemen zu locker.
  5. Erst jetzt den Nasenriemen nachziehen – so weit, dass Fressen, Wiederkauen und Gähnen möglich bleiben. Die British Alpaca Society nennt als Anhalt zwei Finger zwischen Kiefer und Nasenriemen beim erwachsenen Tier.
  6. Nach einigen Minuten nachkontrollieren: Vlies drückt sich zusammen, Material dehnt sich bei Wärme.

Sitzt, wennDer Nasenriemen sitzt dicht vor dem Auge auf Knochen und rutscht auch bei kräftigem Zug nach vorn nicht ab; das Tier kann kauen.

Zurück, wennDer Nasenriemen lässt sich auch bei straffem Genickriemen auf den Knorpel ziehen: falsche Größe oder falscher Halftertyp.

Typischer FehlerDas Halfter so tief tragen, dass es „ordentlich“ aussieht. Die Mitte des Nasenbeins ist genau die Zone, in der ein Riemen bei Zug abrutschen kann.

B2

Halfter zeigen, berühren, weglegen

Ziel
Das Halfter wird zu einem Gegenstand ohne Bedeutung.
Vorher
A7 sitzt.
Rahmen
Kleiner Bereich, Arm locker um den Hals.
  1. Das Halfter in der Hand halten, während du die Übungen aus Stufe A wiederholst.
  2. Mit dem Halfter über Rücken und Hals streichen wie vorher mit dem Stab.
  3. Den Genickriemen über den Hals legen, liegen lassen, wieder abnehmen.
  4. Den Nasenriemen kurz unter das Kinn halten und wieder weg.

Sitzt, wennDas Tier bleibt gelassen, während das Halfter am Hals liegt und in Kopfnähe bewegt wird.

Zurück, wennKopf fliegt hoch, sobald das Halfter in Kopfnähe kommt: am Hals bleiben, mehr Wiederholungen weiter hinten.

Typischer FehlerDas Halfter von vorn auf das Gesicht zuführen. Was von vorn aufs Gesicht zukommt, sieht das Tier kommen und weicht aus.

B3

Das Halfter anlegen

Ziel
Das Halfter gleitet über die Nase und wird geschlossen, ohne dass das Tier den Kopf wegreißt.
Vorher
B1 und B2 sitzen.
Rahmen
Kleiner Bereich, Tier parallel zum Paneel, du an seiner linken Schulter.
  1. Dein rechter Arm liegt über dem Hals, beide Hände halten das Halfter vor dem Hals, der Nasenriemen weit geöffnet.
  2. Den Nasenriemen von unten und von der Seite über die Nase gleiten lassen, bis er dicht vor dem Auge liegt. Nicht von vorn überstülpen.
  3. Den Genickriemen hinter den Ohren über den Kopf führen und schließen. Die Ohren nicht festhalten und nicht umbiegen.
  4. Sofort Pause: Arm lockern, ausatmen, einige Atemzüge stehen.
  5. Halfter wieder abnehmen, bevor etwas Neues passiert. Beim nächsten Mal bleibt es ein wenig länger dran.

Sitzt, wennAnlegen und Abnehmen gelingen in einem ruhigen Ablauf, das Tier senkt danach den Kopf wieder auf normale Höhe.

Zurück, wennKopf hoch, Rückwärtsgehen, Kushen: Passform prüfen (B1), dann den Schritt zerlegen – nur Nasenriemen über die Nase, wieder ab.

Typischer FehlerDas Anlegen als Kampf gewinnen wollen. Ein Halfter, das nach einem Ringen am Kopf ist, hat das nächste Anlegen schon schwerer gemacht.

B4

Halfter an, Halfter ab – ohne Folgen

Ziel
Ein Halfter kündigt nicht automatisch Tierarzt, Nägel oder Anhänger an.
Vorher
B3 sitzt.
Rahmen
Beliebig, unter Aufsicht.
  1. Halfter anlegen, das Tier fressen lassen, Halfter wieder abnehmen. Sonst nichts.
  2. In den folgenden Wochen immer wieder solche Leerrunden einstreuen, zwischen den Einheiten, in denen wirklich etwas passiert.
  3. Das Halfter nach jeder Einheit abnehmen. Es bleibt nie am unbeaufsichtigten Tier.

Sitzt, wennDas Tier lässt sich auch an Tagen halftern, an denen vorher etwas Unangenehmes war.

Zurück, wennDas Tier wird mit jedem Halftern schwieriger: Das Halfter ist zum Ankündiger geworden. Mehr Leerrunden, weniger Anlässe.

Typischer FehlerNur dann halftern, wenn etwas Unangenehmes ansteht. Dann lernt das Tier nicht das Halfter, sondern was darauf folgt.

Stufe C: Führen

Führen heißt nicht ziehen. Ein Alpaka folgt einem Leinensignal, weil es gelernt hat, dass Nachgeben die Spannung beendet, und weil es sich neben dir sicher fühlt. Gegen einen langen Hals mit Hebelwirkung verliert jedes Tauziehen, das der Mensch beginnt.

C1

Signal und Nachgeben

Ziel
Das Tier verlagert sein Gewicht in die Richtung eines leichten Leinenimpulses, statt dagegenzuhalten.
Vorher
Stufe B sitzt.
Rahmen
Kleiner Bereich, lockere Leine, du seitlich auf Höhe des Halses.
  1. Einen leichten Impuls zur Seite geben, nicht nach vorn. Seitlich bringt das Tier aus der Balance in einen Schritt, vorn provoziert Gegenhalten.
  2. Im ersten Moment, in dem das Tier sein Gewicht in diese Richtung verlagert, die Leine sofort locker lassen.
  3. Auf beiden Seiten üben. Nach jedem gelungenen Nachgeben eine kurze Pause.
  4. Wenn die Gewichtsverlagerung sicher kommt, auf einen ganzen Schritt warten, bevor die Leine locker wird.

Sitzt, wennEin leichter Impuls genügt, und das Tier macht einen Schritt – ohne dass die Leine je dauerhaft gespannt ist.

Zurück, wennDas Tier hält dagegen und stemmt sich: Impuls war zu stark oder zu lang. Leichter, kürzer, früher lösen.

Typischer FehlerDauerzug. Eine permanent gespannte Leine gibt kein Signal mehr, sie ist nur noch Druck – und Druck erzeugt Gegendruck.

C2

Die ersten Schritte in der Führgasse

Ziel
Das Tier geht an der Leine einige Meter mit, ohne in Panik in die Leine zu springen.
Vorher
C1 sitzt.
Rahmen
Lange, schmale Gasse aus Paneelen entlang eines Zauns, Gefährten in der Nähe; eine deutlich längere Leine als sonst.
  1. In der Gasse kann das Tier nirgendwohin wegrennen, wo du es nicht mehr erreichst. Das nimmt dir den Grund, festzuhalten.
  2. Das Tier darf entdecken, dass es an dir hängt – mit viel Leine, ohne dass es gegen einen harten Widerstand prallt.
  3. Wenn es losstürmt, gibst du Leine nach und trittst in der Gasse vor sein Auge, um es zu bremsen, statt am Kopf zu reißen.
  4. Mit Signal und Nachgeben aus C1 ein, zwei Schritte bitten, loben, stehen bleiben.
  5. Kurz halten und mit einem ruhigen Moment beenden.

Sitzt, wennDas Tier geht die Gasse auf- und abwärts mit, und die Leine hängt die meiste Zeit durch.

Zurück, wennDas Tier springt, steigt oder wirft sich hin: Passform prüfen, Gasse schmaler, Gefährte direkt davor oder dahinter.

Typischer FehlerDie erste Führlektion auf der offenen Weide. Dort bleibt dir nur festhalten oder loslassen – und beides lehrt das Falsche.

C3

Die Führposition

Ziel
Das Tier geht neben dir auf Schulterhöhe, du führst mit lockerer Leine von der Seite.
Vorher
C2 sitzt.
Rahmen
Gasse, später ein eingezäunter Paddock.
  1. Du gehst auf Höhe von Hals und Schulter, nicht vor dem Kopf. Das Tier sieht dich, ohne dich vor sich zu haben.
  2. Die Leine hängt im Bogen durch. Hat das Halfter einen seitlichen Ring am Nasenriemen, führt ein Signal von dort klarer als vom Ring unter dem Kinn.
  3. Wenn das Tier zurückbleibt: nicht vorne ziehen, sondern einen seitlichen Impuls geben und selbst eine Spur weiter nach hinten, hinter sein Auge gehen.
  4. Wenn es überholt: einen Schritt vor sein Auge treten und das Tempo herausnehmen.

Sitzt, wennDu kannst einige Runden mit durchhängender Leine gehen, das Tier bleibt an deiner Seite.

Zurück, wennDu ertappst dich dabei, vorn zu gehen und zu ziehen: zurück in die Gasse, Position neu einüben.

Typischer FehlerVorangehen wie mit einem Hund. Das Alpaka hat dann nur dein Hinterteil vor sich und eine Leine, die nach vorn zieht – die klassische Ausgangslage für Stemmen und Kushen.

C4

Anhalten und Stehen

Ziel
Das Tier hält an, wenn du anhältst, und bleibt entspannt stehen.
Vorher
C3 sitzt.
Rahmen
Gasse oder Paddock.
  1. Tempo über einige Schritte herausnehmen, ausatmen, dann stehen bleiben.
  2. Reicht das nicht, ein kurzer Impuls und sofort wieder locker. Nie dauerhaft festhalten.
  3. Einige Atemzüge stehen lassen, erst dann weiter. Stehen ist eine eigene Übung, keine Unterbrechung.

Sitzt, wennDas Tier hält mit dir an und bleibt einige Atemzüge lang ruhig stehen.

Zurück, wennEs tritt beim Stehen dauernd herum: Standzeit verkürzen, früher weitergehen, dann schrittweise verlängern.

Typischer FehlerAnhalten nur, wenn etwas schiefgeht. Dann wird Stehen zum Signal für Ärger.

C5

Wenden

Ziel
Das Tier folgt einer Wendung ohne Stocken, in beide Richtungen.
Vorher
C4 sitzt.
Rahmen
Paddock mit Paneel oder Zaun als Führung.
  1. Wendung von dir weg: Du trittst leicht vor sein Auge, dein Körper zeigt die neue Richtung, ein seitlicher Impuls unterstützt.
  2. Wendung zu dir hin: Du gehst einen weiten Bogen, gibst Raum, das Tier folgt dem seitlichen Impuls.
  3. Anfangs große Bögen, später engere.

Sitzt, wennWendungen in beide Richtungen gelingen im Schritt und mit durchhängender Leine.

Zurück, wennDas Tier stockt in der Wendung: Bogen größer, am Zaun entlang wenden, damit die Führung mithilft.

Typischer FehlerDen Kopf herumziehen. Wer den Kopf dreht, ohne dass der Körper folgen kann, bringt das Tier aus der Balance.

C6

Neue Orte, neue Untergründe

Ziel
Das Tier folgt auch außerhalb des vertrauten Bereichs, über Schwellen, durch Tore und auf ungewohntem Boden.
Vorher
C1 bis C5 sitzen.
Rahmen
Zuerst mit einem gut führbaren Gefährten vorweg, später allein.
  1. Pro Einheit nur eine neue Sache: ein Tor, eine Plane am Boden, ein Kiesweg, eine Brücke.
  2. Das Tier darf schauen und schnuppern. Stehen bleiben und betrachten ist Mitarbeit, keine Verweigerung.
  3. Ein Gefährte vorneweg nimmt vielen Hindernissen den Schrecken.
  4. Erst Entfernung vergrößern, dann Dauer, dann Untergrund – nie alles zugleich.

Sitzt, wennDas Tier folgt in neuer Umgebung nach kurzem Betrachten, ohne dass die Leine dauerhaft gespannt ist.

Zurück, wennDas Tier erstarrt oder will nur zurück: näher an die Herde, bekanntes Gelände, das Neue kleiner machen.

Typischer FehlerBeim ersten Stocken ziehen. Ein Alpaka, das ein Hindernis anschaut, lernt gerade. Ziehen beendet das Lernen.

C7

Verladen

Ziel
Das Tier betritt den Anhänger ruhig, bevor es verladen werden muss.
Vorher
C6 sitzt; für Notfälle zusätzlich die Gruppenvariante.
Rahmen
Anhänger fest stehend, als Teil einer Paneelgasse; Gefährten mit hinein.
  1. Den Anhänger über Tage in die Paneelgasse einbauen, Klappe offen, Heu darin. Er ist erst ein Ort, dann ein Fahrzeug.
  2. Nicht führbare Tiere: die Gruppe durch die Gasse in den Anhänger treiben, schließen, dann die Tiere wieder aussortieren, die nicht mitsollen.
  3. Führbare Tiere: bis zur Rampe führen, anschauen lassen, zurück. Beim nächsten Mal einen Fuß auf die Rampe.
  4. Hineingehen, fressen lassen, wieder herausgehen. Die ersten Male fährt niemand.

Sitzt, wennDas Tier geht an der Leine in den Anhänger und steht darin ruhig.

Zurück, wennEs stemmt sich vor der Rampe: Gefährte zuerst hinein, Rampe flacher oder rutschfester, Schritt kleiner.

Typischer FehlerEin einzelnes Tier von der Herde weg in einen Anhänger ziehen. Das ist die schwierigste Version der Aufgabe – und sie wird oft als erste versucht.

Stufe D: Kooperation bei der Pflege

Nägel, Zähne, Spritzen, Wiegen, Körperkondition: Pflege ist planbar, also ist sie trainierbar. Diese Stufe baut darauf, dass ein Tier stillsteht, weil es in Balance ist und dir vertraut – nicht, weil es sich nicht mehr wehren kann.

D1

Den Körper abtasten

Ziel
Das Tier lässt sich an Hals, Schulter, Rücken, Rippen und Flanke berühren.
Vorher
Stufe A sitzt, Halfter hilfreich.
Rahmen
Kleiner Bereich, Tier parallel zum Paneel, bei Bedarf ein Helfer am Kopf.
  1. Mit dem Handrücken kleine, zügige Kreise machen, jeweils nur ein bis zwei Sekunden an einer Stelle, dann ein Stück weiter.
  2. Am Hals beginnen, über die Schulter zum Rücken, dann Rippen und Flanke.
  3. Spannt sich das Tier an oder verlagert es das Gewicht weg, zurück an eine Stelle, die es gut kennt – und dort weitermachen.
  4. Die Hand über den Rippen ist auch die Hand, die später den Body Condition Score erfühlt.

Sitzt, wennDu kannst beide Körperseiten in einem Durchgang abtasten, das Tier bleibt ruhig stehen.

Zurück, wennDas Tier drückt sich weg oder dreht sich: kürzere Wege, mehr Rückkehr zur sicheren Stelle.

Typischer FehlerLangsam und mit den Fingerspitzen tasten. Das kitzelt, wirkt wie ein Insekt und macht nervöser als ein klarer, zügiger Kontakt.

D2

Der Fuß bleibt unten

Ziel
Du kannst mit der Hand ein Bein hinunterstreichen, ohne dass das Tier den Fuß hebt.
Vorher
D1 sitzt.
Rahmen
Einzelstand von etwa 1,2–1,5 × 1,8–2,1 m neben den anderen Tieren oder im Fangbereich mit Helfer.
  1. Neben das Tier stellen, Blick zum Hinterteil. Den Arm, der dem Tier näher ist, über den Rücken legen.
  2. Mit diesem Arm das Gewicht des Tieres behutsam auf das Bein verlagern, an dem du arbeitest. Ein Bein, auf dem Gewicht liegt, kann nicht gehoben werden.
  3. Mit dem Handrücken der anderen Hand kleine Kreise, oben an der Schulter beginnend, dann Stück für Stück das Bein hinab.
  4. Spürst du über den Rücken, dass das Tier sein Gewicht verlagern will, gleich das Gewicht wieder ausgleichen und die Hand zurück in sichere Höhe nehmen.
  5. Jedes Bein etwa eine Minute. Eine gute Reihenfolge: vorn links, hinten links, vorn rechts, hinten rechts.

Sitzt, wennEine Einheit, in der das Tier den Fuß kein einziges Mal gehoben hat. Das ist die perfekte Lektion.

Zurück, wennDas Tier hebt den Fuß, klemmt ihn unter oder sackt ein: Hand nicht so weit hinunter, mehr Zeit oben.

Typischer FehlerDen Fuß direkt hochheben. Dann hebt das Tier den Fuß aus Angst, nicht aus Verständnis – und der Weg zum Kushen ist kurz.

D3

Fuß anheben und zurückgeben

Ziel
Das Tier lässt einen Fuß für einige Sekunden anheben und stellt ihn ruhig wieder ab.
Vorher
D2 sitzt an allen vier Beinen.
Rahmen
Wie D2.
  1. Das Gewicht wie in D2 ausbalancieren, diesmal aber vom Bein weg auf die anderen drei.
  2. Den Fuß nur kurz anheben und zurückgeben, noch bevor das Tier danach fragt.
  3. Haltedauer in kleinen Schritten verlängern. Das Bein bleibt in seiner natürlichen Beugung, nicht weit zur Seite oder nach hinten gezogen.
  4. Erst wenn das Halten sicher ist, kommt das Werkzeug dazu: Schere zeigen, an den Nagel legen, ein erster kleiner Schnitt.

Sitzt, wennAlle vier Füße lassen sich so lange halten, wie das Schneiden eines Nagels dauert.

Zurück, wennDas Tier reißt den Fuß weg: Haltezeit wieder kürzer, das Gewicht besser ausbalancieren, zurück zu D2 an diesem Bein.

Typischer FehlerDen Fuß festhalten, bis das Tier aufgibt. Das gewinnt einen Nagel und verliert alle folgenden.

D4

Kopf, Maul und Zähne

Ziel
Kiefer, Lippen und die Maulwinkel lassen sich kurz berühren und die Schneidezähne ansehen.
Vorher
A7 sitzt, Halfter hilfreich.
Rahmen
Kleiner Bereich, du hinter dem Auge, Kopf gestützt.
  1. Aus der Kopfstütze heraus mit dem Daumen am Unterkiefer entlangstreichen.
  2. Die Unterlippe mit einem Finger kurz anheben, loslassen.
  3. Längere Dauer, bis die Schneidezähne zu sehen sind. Bei Hengsten später auch der Blick auf die Kampfzähne.
  4. Das Gesicht bleibt die letzte Station, nicht die erste.

Sitzt, wennEin kurzer Blick auf die Schneidezähne gelingt ohne Kopfschlagen.

Zurück, wennDer Kopf fliegt hoch: Die Stütze war zu fest oder zu weit vorn. Zurück zu A7.

Typischer FehlerDas Maul mit Gewalt öffnen. Tiefe Maulkontrollen und Zahnbehandlungen gehören in tierärztliche Hand.

D5

Stillstehen für Spritze, Wiegen und Kontrolle

Ziel
Das Tier steht für die Dauer einer kurzen Maßnahme ruhig, mit einem Helfer als Balance-Stütze.
Vorher
D1 sitzt, A7 sitzt.
Rahmen
Tier parallel zum Paneel, ein Helfer am Kopf, du an der Schulter.
  1. Der Helfer stützt den Kopf wie in A7 und achtet auf die Balance des Tieres. Er hält nicht fest, er gleicht aus.
  2. Du übst den Handgriff der Maßnahme ohne die Maßnahme: Haut an der Injektionsstelle leicht aufnehmen, loslassen.
  3. Dauer in kleinen Schritten verlängern.
  4. Die Waage wird wie ein Hindernis aus C6 behandelt: erst daneben stehen, dann ein Fuß, dann alle vier.

Sitzt, wennDie Übungsversion der Maßnahme dauert so lange wie die echte, und das Tier bleibt dabei stehen.

Zurück, wennDas Tier drängt vorwärts oder kusht: Helfer zu fest, Tier aus der Balance oder der Bereich zu groß.

Typischer FehlerDen Helfer als Fixierer einsetzen. Ein Tier, das festgehalten wird, kämpft gegen den Griff; eines, das gestützt wird, bleibt im Gleichgewicht.

D6

Generalprobe für Schur und Tierarzt

Ziel
Das Tier kennt die Abläufe schon, bevor sie ernst werden.
Vorher
D1 bis D5 in Ansätzen.
Rahmen
Einige Wochen vor Schur oder geplanter Behandlung, am späteren Ort.
  1. Den späteren Ablauf auf die Einzelteile herunterbrechen: hinbringen, anbinden entfällt, stehen, Geräusch, Berührung an der Stelle.
  2. Geräusche vorab: Schermaschine oder Aufnahmen davon erst aus Distanz, dann näher – mit Futter als Gegenkonditionierung.
  3. Den Ort vorher mehrfach ohne Anlass besuchen.
  4. Am Tag selbst: Tiere in der Gruppe halten, Wartezeiten kurz, die Reihenfolge so, dass kein Tier allein zurückbleibt.

Sitzt, wennDer Ablauf am Tag X enthält keine Überraschung mehr, die nicht vorher geübt wurde.

Zurück, wennDas Tier gerät schon bei der Probe über die Schwelle: früher anfangen, Einzelteile noch kleiner.

Typischer FehlerZu erwarten, dass Training die Fixation bei der Schur ersetzt. Die Schur braucht meist trotzdem Fixation; Training macht sie kürzer und weniger dramatisch.

Stufe E: Markertraining als Ergänzung

Markertraining mit Klicker oder Wort ist kein Ersatz für Raum, Balance und Halfter, sondern eine zweite Sprache. Es eignet sich besonders für freiwillige Aufgaben: zur Waage gehen, in den Anhänger folgen, an einem Platz warten. Es braucht einen Umgang mit Futter, der Jungtiere nicht zu Bettlern macht.

E1

Den Marker aufladen

Ziel
Das Tier verbindet den Marker zuverlässig mit Futter.
Vorher
Ein Tier, das Futter aus der Schale nimmt.
Rahmen
Über den Zaun oder im kleinen Bereich, Futterschale in deiner Hand oder an einem festen Platz.
  1. Marker, dann sofort ein Pellet in die Schale. Mehr nicht.
  2. In mehreren kurzen Einheiten wiederholen, bis das Tier beim Marker erwartungsvoll zur Schale schaut.
  3. Futter immer an derselben Stelle anbieten, nicht dem Tier entgegen – die Nase kommt zum Futter, nicht die Hand zur Nase.

Sitzt, wennDas Tier orientiert sich beim Marker sichtbar zur Schale.

Zurück, wennDas Tier drängelt, stupst oder beißt nach der Hand: Futter nur noch über den Zaun oder in der Schale am Boden, Distanz vergrößern.

Typischer FehlerFutter aus der offenen Hand an ein distanzloses Jungtier. Das trainiert genau das, was später gefährlich wird.

E2

Nase an den Zielstab

Ziel
Das Tier berührt mit der Nase das Ende eines Zielstabs und folgt ihm einige Schritte.
Vorher
E1 sitzt.
Rahmen
Über den Zaun oder im kleinen Bereich.
  1. Den Zielstab dicht vor die Nase halten. Jede Annäherung markern, später nur noch die Berührung.
  2. Den Stab ein Stück weiter weg halten, dann seitlich, dann höher und tiefer.
  3. Wenn die Berührung sicher kommt, den Stab langsam bewegen und dem Folgen einige Schritte lang Zeit geben.

Sitzt, wennDas Tier folgt dem Zielstab einige Meter, etwa auf eine Waage oder zu einer Rampe.

Zurück, wennDas Tier beißt in den Stab oder verliert das Interesse: kürzere Einheiten, Stabende auffälliger, weniger Abstand.

Typischer FehlerEinheiten, die zu lange dauern. Markertraining ist intensiv – wenige gelungene Wiederholungen sind mehr wert als viele müde.

E3

Warten an der Station

Ziel
Das Tier geht an einen festen Platz – eine Matte, eine Stelle am Zaun – und wartet dort ruhig.
Vorher
E2 sitzt.
Rahmen
Paddock oder Stall, eine gut erkennbare Stelle.
  1. Mit dem Zielstab zur Station führen, markern, Futter auf der Station anbieten.
  2. Auf einige ruhige Sekunden an der Station warten, bevor der Marker kommt.
  3. Die Wartezeit langsam verlängern, deine Entfernung zur Station ebenso.

Sitzt, wennDas Tier geht auf ein Signal zur Station und bleibt dort, während du dich ein paar Schritte entfernst.

Zurück, wennDas Tier verlässt die Station, um nachzuhaken: Wartezeit zurücknehmen, näher bleiben.

Typischer FehlerWarten verlangen, ohne es aufgebaut zu haben. Die Station funktioniert nur, wenn sich ruhiges Stehen dort mehr lohnt als alles andere.

E4

Herankommen auf Signal

Ziel
Die Herde kommt auf ein bestimmtes Geräusch oder Rufsignal zum Fangbereich.
Vorher
A2 sitzt.
Rahmen
Weide und Fangbereich.
  1. Vor jeder Fütterung im Fangbereich dasselbe Signal geben – ein Ruf, ein Klappern.
  2. Nach einigen Wochen das Signal auch zwischendurch einsetzen und im Fangbereich eine kleine Futterportion anbieten.
  3. Weiterhin Leerrunden: kommen, fressen, wieder gehen.

Sitzt, wennDie Herde kommt auf das Signal aus der Weide, ohne dass jemand treiben muss.

Zurück, wennDie Tiere kommen nur noch, wenn keiner gefangen wird: mehr Leerrunden, Fangen seltener direkt an das Signal koppeln.

Typischer FehlerDas Signal nur vor Tierarzt oder Schur benutzen. Dann wird es innerhalb weniger Wochen zur Warnung.

Eine Einheit planen

Gute Einheiten sind kurz, haben einen einzigen neuen Schritt und hören auf, solange es noch gut läuft. Das klingt banal und wird trotzdem am häufigsten falsch gemacht, weil gerade dann, wenn es endlich klappt, die Versuchung am größten ist, noch einmal nachzulegen.

AnkommenTier, Wetter und eigene Stimmung prüfen. Gibt es einen Grund abzusagen, wird abgesagt.
BekanntesMit etwas beginnen, das sicher gelingt. Das Tier erinnert sich, du erkennst den Tageszustand.
Neuer SchrittEin einziger neuer Schritt, in wenigen Wiederholungen. Gelingt er nicht, kleiner machen.
Guter SchlussAufhören nach einem Erfolg, nicht nach dem Fehler und nicht erst, wenn das Tier müde ist.
NotizZwei Zeilen: Was ging, was nicht, was kommt beim nächsten Mal.

Die Anteile sind eine Orientierung für die Gewichtung, keine Stoppuhr.

Kurz ist die Regel

Für die Beinarbeit nennt Marty McGee Bennett Lektionen von drei bis fünf Minuten und hält es nicht für nötig, täglich oder auch nur wöchentlich zu üben. Die meisten Einheiten in diesem Handbuch passen in denselben Rahmen. [10]

Die Drei-Versuche-Regel

Gelingt ein Schritt drei Mal hintereinander nicht, wird er nicht ein viertes Mal versucht, sondern verkleinert. Das ist keine Studie, sondern eine Arbeitsregel gegen den häufigsten Fehler: dasselbe noch einmal, nur fester.

Ein Kriterium pro Einheit

Entweder länger oder weiter oder an einem neuen Ort – nicht alles gleichzeitig. Wer zwei Dinge auf einmal steigert, weiß hinterher nicht, woran es gescheitert ist.

Mit der Herde, nicht gegen sie

Gefährten in Sichtweite senken die Anspannung. Das Training allein kommt erst, wenn alles andere sitzt.

Alle machen es gleich

Wenn eine Person Futter aus der Hand gibt und die andere nicht, lernt das Tier nicht „kein Futter aus der Hand“, sondern „bei der einen lohnt sich Drängeln“.

Heute nicht: Gründe abzusagen

  • Hitze und Schwüle: Training erhöht die Wärmebelastung zusätzlich. Bei hoher Stufe der Hitzestress-Ampel wird nicht trainiert.
  • Ein Tier frisst schlechter, liegt ungewöhnlich viel oder wirkt anders als sonst – dann ist heute Beobachtung dran, nicht Training.
  • Unruhe in der Herde: Neuzugang, Rangklärung, Hund am Zaun, Sturm.
  • Du selbst bist in Eile, gereizt oder hast nur fünf Minuten zwischen zwei Terminen. Alpakas lesen Anspannung zuverlässig.
  • Direkt nach einer unangenehmen Maßnahme am selben Tier – dann lieber eine Leerrunde.

Für heiße Tage: Hitzestress-Ampel.

Zwei Zeilen Protokoll

Wer notiert, sieht Fortschritt, den man im Stall sonst übersieht – und merkt früh, wenn ein Tier sich verschlechtert. Eine Zeile pro Einheit reicht:

Beispiel für ein Trainingsprotokoll
Datum · TierÜbungErgebnisNächstes Mal
Tag 1 · StuteA5 StabRücken gut, Hals nur kurzHals, weiter hinten beginnen
Tag 4 · StuteA5/A6Hals lang, Hand einmalA6 mit Gefährtin daneben

Die Tierakte unter Meine Herde eignet sich dafür.

Signale lesen: weiter, kleiner, abbrechen

Die wichtigste Fähigkeit im Training ist nicht Technik, sondern Beobachtung: zu sehen, wann ein Tier noch lernt und wann es nur noch reagiert. Die Grenze dazwischen heißt Schwelle, und fast alle Fehler passieren, weil sie zu spät bemerkt wird.

Weiter

Das Tier ist unter der Schwelle und kann lernen.

  • kaut wieder oder schnuppert interessiert
  • Ohren locker, seitlich oder zu dir gerichtet
  • Kopf auf normaler Höhe, Hals entspannt
  • Schwanz hängt locker
  • Gewicht gleichmäßig auf allen vier Beinen

Kleiner machen

Das Tier nähert sich der Schwelle. Jetzt zurückgehen ist billig, später teuer.

  • Kopf hebt sich, Hals wird steil
  • Ohren gehen nach hinten
  • Gewicht verlagert sich weg von dir
  • Blick fixiert einen Punkt, Körper wird steif
  • Schwanz hebt sich leicht, Atmung wird schneller
  • ein Fuß wird kurz angehoben

Abbrechen

Das Tier ist über der Schwelle. Hier wird nicht mehr gelernt, nur noch überstanden.

  • Panik, Springen, Steigen, Werfen gegen die Paneele
  • Maulatmung oder Schaum vor dem Maul
  • Kushen mit angelegten Ohren, Treten, Spucken auf dich
  • anhaltender Alarmruf
  • vollständiges Erstarren mit starrem Blick

Vertiefung: Stress erkennen · Schmerzen erkennen · Körpersprache

Problemlöser

Jedes Problembild beginnt mit Prüffragen, nicht mit einer Technik. Ein großer Teil dessen, was nach Sturheit aussieht, löst sich bei der ersten Frage auf: Sitzt das Halfter? Tut etwas weh? Ist der Raum zu groß?

Das Alpaka legt sich beim Führen hin

Zuerst prüfen

  • Sitzt der Nasenriemen auf Knochen und bleibt er dort auch bei Zug?
  • Ziehst du von vorn?
  • Ist die Umgebung neu oder das Tier weit von der Herde entfernt?

Was dahintersteckt

Kushen ist die Notbremse eines Tieres, das weder vor noch zurück kann. Die häufigsten Auslöser sind ein Halfter in der Gefahrenzone auf dem Nasenbein und eine Leine, die dauerhaft nach vorn zieht. Die British Alpaca Society nennt Kushen ausdrücklich als mögliche Folge schlechter Halfterpassform.

Was hilft

  1. Halfter neu anpassen (B1), dann in der Führgasse neu beginnen.
  2. Von der Seite führen, hinter dem Auge, mit seitlichen Impulsen statt Zug nach vorn.
  3. Ein Gefährte vorneweg.
  4. Liegt das Tier: nicht ziehen, nicht zerren. Druck vollständig rausnehmen, warten, seitlich hinter die Schulter treten und das Aufstehen abwarten.

NichtDas Tier hochzerren. Das bestätigt, dass Liegen die richtige Antwort auf Druck ist.

Vertiefung: Halftertraining und Führen

Es stemmt sich gegen die Leine oder geht rückwärts

Zuerst prüfen

  • Wie lange bleibt die Leine gespannt?
  • Stehst du vor dem Tier?

Was dahintersteckt

Dauerzug erzeugt Gegendruck. Das Tier hat gelernt, dass Stemmen den Menschen irgendwann zum Aufgeben bringt, oder es hat nie gelernt, dass Nachgeben die Spannung beendet.

Was hilft

  1. Zurück zu C1: seitliche Impulse, Lösen beim ersten Nachgeben.
  2. Position hinter das Auge verlegen.
  3. Kurze Einheiten mit vielen gelungenen Momenten.

NichtTauziehen. Das Alpaka hat den längeren Hebel.

Es springt, steigt oder wirft sich in die Leine

Zuerst prüfen

  • Halfterpassform, vor allem bei Jungtieren.
  • Ist der Raum zu groß, sodass das Tier Anlauf nehmen kann?
  • Fehlt die Herde?

Was dahintersteckt

Panik. Ein Tier, das nicht versteht, dass es angebunden ist, oder sich im Halfter nicht atmen fühlt, versucht, sich zu befreien.

Was hilft

  1. Führgasse mit langer Leine (C2), damit das Tier die Verbindung ohne harten Ruck entdeckt.
  2. Raum kleiner, Gefährten direkt daneben.
  3. Wenn es passiert: Leine nachgeben und das Tier über deine Position bremsen, nicht über den Kopf.

NichtDas Tier anbinden, damit es „lernt“. Das kann zu Verletzungen, Stürzen und Atemnot führen.

Es stürmt voraus oder überholt ständig

Zuerst prüfen

  • Wo gehst du im Verhältnis zum Auge?
  • Ist das Tier aufgeregt oder nur eilig?

Was dahintersteckt

Wer hinter dem Auge geht, treibt vorwärts. Manche Tiere eilen auch zur Herde zurück oder weg von etwas, das ihnen unheimlich ist.

Was hilft

  1. Einen Schritt weiter vorn gehen, auf Höhe des Auges, und das Tempo selbst herausnehmen.
  2. Häufig anhalten und stehen üben (C4).
  3. Strecken zur Herde hin anfangs vermeiden, sie werden sonst zur Rennbahn.

NichtMit Kraft am Kopf bremsen. Das zieht das Tier aus der Balance und macht es schneller, nicht langsamer.

Es lässt sich nicht fangen

Zuerst prüfen

  • Wird die Herde gemeinsam in einen kleinen Bereich gebracht, oder wird auf offener Fläche gejagt?
  • Hat Fangen bisher fast immer Unangenehmes angekündigt?

Was dahintersteckt

Fangen auf der Weide trainiert Flucht. Und ein Tier, das nur zum Nägelschneiden gefangen wird, lernt schnell, was die Annäherung bedeutet.

Was hilft

  1. Stufe A von vorn, besonders A2 mit Leerrunden.
  2. Fangbereich verkleinern, bis das Tier nicht mehr rennen kann.
  3. Laufrichtung im Bereich nutzen und hinter dem Auge ankommen.

NichtNachrennen. Selbst wenn es klappt, war es die Lektion für das nächste Mal.

Vertiefung: Fangen und Fixieren

Es ist kopfscheu und reißt beim Halftern den Kopf hochauch Gesundheit prüfen

Zuerst prüfen

  • Wurde das Tier früher am Kopf oder an den Ohren gehalten?
  • Kommt das Halfter von vorn aufs Gesicht zu?
  • Zahn- oder Kieferschmerzen, Verletzungen am Kopf?

Was dahintersteckt

Kopfscheu ist fast immer erlernt: Ein Tier, dessen Kopf gegriffen wurde, schützt ihn. Seltener stecken Schmerzen dahinter.

Was hilft

  1. Den Kopf in Ruhe lassen und über Hals und Kopfstütze neu aufbauen (A6, A7).
  2. Halfter von unten und der Seite anlegen, nicht von vorn (B3).
  3. Bei plötzlich auftretender Kopfscheu zuerst Zähne und Kopf untersuchen lassen.

NichtAn den Ohren festhalten. Das ist schmerzhaft und macht Kopfscheu schlimmer.

Es spuckt beim Handling

Zuerst prüfen

  • Wie lange lief die Einheit schon, und wie viel wurde verlangt?
  • Wurden frühere Warnzeichen – Ohren hinten, Kinn hoch – übersehen?

Was dahintersteckt

Spucken ist ein Distanzsignal mit Ansage. Wer es sieht, hat meist mehrere leisere Warnungen verpasst.

Was hilft

  1. Einheiten kürzer, Schritte kleiner, auf die Signale der gelben Stufe reagieren.
  2. Kopf nicht in Richtung deines Gesichts halten; hinter dem Auge arbeiten.
  3. Klären, ob das Spucken dir gilt oder einem Artgenossen in der Nähe.

NichtBestrafen. Das unterdrückt die Vorwarnung, nicht die Ursache.

Vertiefung: Spucken, Treten, Abwehrverhalten

Es tritt bei Berührung an den Beinenauch Gesundheit prüfen

Zuerst prüfen

  • Schmerzen in Gelenken oder Füßen, zu lange Nägel, Hautprobleme?
  • Wird das Tier aus der Balance gebracht, wenn du am Bein arbeitest?

Was dahintersteckt

Treten verteidigt die Beine – das wichtigste Fluchtwerkzeug. Oft ist es die laute Fortsetzung von leisen Signalen, auf die niemand reagiert hat.

Was hilft

  1. Zurück zu D2: zuerst lernt das Tier, den Fuß unten zu lassen.
  2. Arm über den Rücken, Gewicht ausbalancieren, Handrückenkreise.
  3. Neben dem Tier arbeiten, nie direkt dahinter.

NichtEin Bein festhalten, bis das Tier aufgibt.

Vertiefung: Lahmheit, Gelenke, Füße

Es sackt bei der Nagelpflege ein oder legt sich hin

Zuerst prüfen

  • Wird der Fuß angehoben, bevor das Tier das Berühren des Beins entspannt kennt?
  • Hält ein Helfer das Tier fest, statt es zu stützen?

Was dahintersteckt

Kushen ist die letzte Stufe einer bekannten Kette: Fuß hochziehen, Fuß unter dem Körper verstecken, einsacken, hinlegen. Jede Stufe hat beim letzten Mal funktioniert.

Was hilft

  1. D2 und D3 von vorn, mit sehr kurzen Lektionen.
  2. Helfer stützt den Kopf als Balance-Stütze, statt zu fixieren.
  3. Ist die Pflege dringend und das Training noch nicht so weit: Nägel beim liegenden Tier schneiden lassen, von erfahrener Hand, und das Training danach trotzdem fortsetzen.

NichtDen Fuß weiter festhalten, um die Nägel „noch schnell“ fertig zu machen.

Es drängelt, rempelt oder knabbert an Kleidung

Zuerst prüfen

  • Handaufzucht, Einzeljungtier, viel Kontakt mit Kindern?
  • Futter aus der Hand?

Was dahintersteckt

Kein Zutrauen, sondern ein Test: Was bist du, darf ich mit dir spielen wie mit einem Artgenossen? Bei jungen Hengsten kann daraus gefährliche, fehlgerichtete Konkurrenz werden.

Was hilft

  1. Eigenen Raum definieren: Marty McGee Bennett nennt etwa einen halben Meter um den Körper, in den das Tier nicht ungefragt eindringt.
  2. Mit flacher Hand blocken und ruhig „Zurück“ sagen – nicht „Nein“, das im Alltag alles Mögliche bedeutet.
  3. Futter nur noch in der Schale oder über den Zaun, Alternativverhalten wie Station (E3) belohnen.
  4. Alle Menschen am Hof machen es gleich; Besucher und Kinder bleiben vorerst fern.
  5. Früh erfahrene Hilfe holen, wenn Rempeln in Anspringen oder Beißen übergeht.

NichtWegschieben oder Anrempeln. Für das Tier heißt das: Das Spiel beginnt.

Vertiefung: Fehlprägung verhindern

Es geht nicht in den Anhänger

Zuerst prüfen

  • Rampe rutschig oder steil, Innenraum dunkel?
  • Soll ein einzelnes Tier allein hinein?

Was dahintersteckt

Der Anhänger ist ein enger, fremder, oft dunkler Raum ohne Herde. Er wird üblicherweise erst geübt, wenn er gebraucht wird.

Was hilft

  1. C7 mit Wochen Vorlauf: Anhänger als Futterplatz in der Paneelgasse.
  2. Gefährte zuerst hinein.
  3. Im Notfall: die ganze Gruppe durch die Gasse hinein, dann aussortieren.

NichtZiehen und Schieben zu zweit. Wer ein Alpaka so verlädt, verlädt es beim nächsten Mal zu dritt.

Vertiefung: Transport und Verladen

Es gerät außer sich, sobald es von der Herde getrennt ist

Zuerst prüfen

  • Wird die Trennung zu früh verlangt?
  • Kann es die Herde noch sehen oder hören?

Was dahintersteckt

Alpakas sind Herdentiere; Isolation ist ein Stressor für sich. Ein Tier, das allein ist, lernt vor allem, dass Alleinsein schlimm ist.

Was hilft

  1. Trennung in Stufen: Gefährte direkt daneben, dann hinter dem Paneel, dann einige Meter entfernt, dann außer Sicht, aber in Hörweite.
  2. Trennungsübungen kurz halten und mit der Rückkehr zur Herde enden lassen.

NichtEin Tier allein trainieren, „damit es sich konzentriert“.

Vertiefung: Herde und Sozialstruktur

Es steht ganz still – „das ist doch brav“

Zuerst prüfen

  • Kaut es wieder? Atmet es ruhig? Sind die Ohren locker?

Was dahintersteckt

Erstarren ist die leiseste Angstreaktion und wird häufig als Gelassenheit gelesen. In einer Beobachtungsstudie von Windschnurer u. a. war Erstarren das häufigste Angst- und Stressverhalten bei der Untersuchung.

Was hilft

  1. Nach Anzeichen der grünen Stufe suchen, nicht nach fehlender Bewegung.
  2. Die Maßnahme verkürzen und in kleineren Teilen neu aufbauen.

NichtErstarren als Erfolg verbuchen und das Programm steigern.

Vertiefung: Stress beim Alpaka erkennen

Es ging schon gut – und jetzt ist es schlechterauch Gesundheit prüfen

Zuerst prüfen

  • Schmerzen, Krankheit, Trächtigkeit, Parasiten?
  • Neues Halfter, anderer Mensch, anderer Ort?
  • Gab es eine schlechte Erfahrung, etwa eine grobe Behandlung?

Was dahintersteckt

Rückschritte haben fast immer einen Grund, der nicht im Training liegt. Ein Tier, das eine Aufgabe konnte, verlernt sie nicht ohne Anlass.

Was hilft

  1. Gesundheit zuerst prüfen, bei plötzlicher Veränderung tierärztlich.
  2. Zwei Stufen zurückgehen und von dort neu aufbauen – meist geht es dann schneller als beim ersten Mal.
  3. Ändern, was sich geändert hat: Halfter, Person, Ort.

NichtAuf dem alten Stand weitermachen, als wäre nichts gewesen.

Vertiefung: Schmerzen erkennen

Sonderfälle

Der Weg ist für alle Tiere derselbe. Was sich ändert, sind Tempo, Schrittgröße und die Dinge, auf die man besonders achten muss.

Crias und Absetzer

Die Übersichtsarbeit von Pilarczyk u. a. nennt ein Alter von etwa sechs Monaten, ab dem Training beginnen kann, und warnt vor zu viel menschlichem Körperkontakt davor: Er begünstigt Fehlprägung. Das heißt nicht, dass ein Cria bis dahin keinen Menschen sehen darf. Es heißt: ruhige, sachliche Anwesenheit, gern Beobachten und kurze Berührungen am Körper – aber kein Kuscheln, kein Spielen, kein Futter aus der Hand.

Beim Halfter entscheidet die Kopfgröße. Das Nasenbein ist bei Jungtieren sehr kurz; die British Alpaca Society nennt beim Absetzer oft nur rund 2,5 Zentimeter Knochen vor dem Auge, bei jungen Crias weniger. Ein Halfter muss hier sehr dicht am Auge sitzen und braucht einen straffen Genickriemen. Passt es nicht sicher, ist das Tier für das Halfter noch zu klein.

Cria-Aufzucht und Absetzen

Distanzlose Jungtiere und Junghengste

Ein Jungtier, das angerannt kommt, an Taschen zupft und sich anlehnt, gilt schnell als besonders zutraulich. Marty McGee Bennett liest dasselbe Verhalten als Frage: Was bist du, und was darf ich mit dir tun? Die Antwort muss früh und von allen gleich gegeben werden – ruhig, ohne Schieben und ohne Anschreien.

Eine freundliche Nasenbegrüßung, bei der das Jungtier den Hals streckt und wartet, ist in Ordnung. Hineindrängeln, Anrempeln und Knabbern nicht. Wird aus Rempeln Anspringen, Beißen oder Brustrammen, ist das kein Fall für ein Handbuch mehr, sondern für erfahrene Hilfe vor Ort.

Fehlprägung und Junghengst

Ängstliche Tiere mit schlechten Erfahrungen

Ein Tier, das einmal in einem schlecht sitzenden Halfter festgehalten oder an den Ohren fixiert wurde, erinnert sich. Die British Alpaca Society schreibt, dass Alpakas die Erfahrung eines schlecht passenden Halfters behalten und danach schwerer zu halftern sein können.

Umlernen braucht mehr Zeit als Neulernen, aber es gelingt. Der Weg ist derselbe wie beim jungen Tier – nur mit kleineren Schritten, kleineren Räumen und mehr Leerrunden. Die schnellsten Fortschritte kommen oft, wenn das Tier zum ersten Mal erlebt, dass der Mensch zurückweicht, sobald es Angst zeigt.

Ältere Tiere und Tiere mit Schmerzen

Bei Senioren und Tieren mit Arthrose ist nicht die Lernfähigkeit das Problem, sondern die Stehdauer auf drei Beinen. Beinarbeit wird kürzer, die Beine werden weniger weit angehoben, und das Gewicht wird besonders sorgfältig ausbalanciert.

Eine plötzliche Handling-Verschlechterung ist bei älteren Tieren zuerst ein Gesundheitsthema.

Senioren, Palliativ, Ende

Tragende Stuten

Bekannte Routinen gehen weiter. Neue, aufregende Lektionen, Verladetraining oder das Umlernen eines schwierigen Themas legt man besser nicht in die letzten Wochen vor dem Geburtstermin.

Trächtigkeit und Geburtsvorbereitung

Neuzugänge

In den ersten Wochen nach der Ankunft hat ein Tier genug mit dem neuen Ort und der neuen Herde zu tun. Jetzt zählen feste Abläufe und A1 bis A3; alles Neue wartet. Wer die Zeit nutzt, um den Fangbereich zum normalen Futterplatz zu machen, hat später einen großen Vorsprung.

Die ersten Wochen nach der Ankunft

Tiere für Wanderungen und Besuch

Wer Gäste führen lässt, braucht Tiere, die auch bei ungeübten Menschen am Halfter ruhig bleiben: C1 bis C6 müssen sitzen, bevor der erste Gast die Leine hält. Und die Gäste brauchen eine Einweisung, die genau die Grundsätze dieses Handbuchs enthält – seitlich gehen, nicht ziehen, Kopf in Ruhe lassen.

Trekking und tiergestützter Einsatz

Belege: Alter und Fehlprägung [2], Nasenbein und Erinnerung an schlechte Halfter [1], distanzlose Jungtiere [11].

Irrtümer, die sich hartnäckig halten

VerbreitetEin Alpaka hält man am Kopf oder an den Ohren fest.

TatsächlichDer Kopf wird gestützt, nie geklemmt; die Ohren sind tabu. Ohrengriffe sind schmerzhaft und züchten Kopfscheu.

VerbreitetEin Alpaka, das still steht, ist entspannt.

TatsächlichStillstehen kann Erstarren sein, die leiseste Form der Angst. Entspannung erkennt man an Wiederkauen, lockeren Ohren und ruhiger Atmung.

VerbreitetDas Halfter sitzt wie beim Pferd ein Stück die Nase hinunter.

TatsächlichDas knöcherne Nasenbein ist beim Alpaka kurz. Der Nasenriemen gehört dicht vor das Auge, sonst kann er auf den Knorpel rutschen und die Atmung behindern.

VerbreitetMan muss zeigen, wer der Chef ist.

TatsächlichRangkämpfe mit einem Tier verliert der Mensch entweder oder gewinnt nur Angst. Klare, ruhige Grenzen und Vorhersehbarkeit wirken besser als Dominanzgesten.

VerbreitetEin Cria, das zu jedem Menschen läuft, ist gut sozialisiert.

TatsächlichOft ist es auf dem Weg zur Fehlprägung. Gut sozialisiert ist ein Jungtier, das Menschen gelassen erträgt und Abstand respektiert.

VerbreitetMit Leckerli macht man Alpakas aufdringlich.

TatsächlichNicht das Futter macht aufdringlich, sondern wie es gegeben wird. Aus der Schale, für ruhiges Verhalten und von allen gleich – dann bleibt es ein Trainingswerkzeug.

VerbreitetDa muss es jetzt einmal durch, dann weiß es Bescheid.

TatsächlichEin Tier, das gegen seinen Willen „durchgebracht“ wird, lernt vor allem, dass die Situation schlimm ist. Die nächste Runde wird schwerer, nicht leichter.

VerbreitetAuf der Weide fangen geht schneller.

TatsächlichEinmal vielleicht. Jedes Nachrennen trainiert Flucht und macht das nächste Fangen länger.

VerbreitetEin älteres Alpaka lernt nichts mehr.

TatsächlichAlpakas lernen ein Leben lang. Umlernen dauert länger als Neulernen, aber es gelingt.

VerbreitetTraining brauchen nur Wander- und Showtiere.

TatsächlichJedes Alpaka muss gefangen, gehalftert, untersucht, geschoren und irgendwann verladen werden. Die Frage ist nur, ob das geübt passiert oder im Ernstfall.

Herkunft und Weiterlernen

Dieses Handbuch hat eine Herkunft, und die soll nicht verschwiegen werden. Die Grundgedanken – Raum statt Festhalten, Balance statt Kraft, Arbeiten hinter dem Auge, Kontakt am Hals statt am Kopf, das Halfter als Trainingsfrage und der Fuß, der zuerst unten bleiben darf – gehen auf die US-Kamelidentrainerin Marty McGee Bennett zurück. Sie arbeitet seit 1981 mit Lamas, hat ab 1985 rund zehn Jahre bei Linda Tellington-Jones gelernt und deren Arbeit für Kameliden übertragen; daraus entstand ihr Ansatz CAMELIDynamics [13]. Ihre Fachartikel über Halfterpassform, Paneele, Beinarbeit und respektvolle Jungtiere sind frei zugänglich und in der Quellenliste verlinkt.

Auch außerhalb der Szene wird der Ansatz ernst genommen: Die peer-reviewte Übersichtsarbeit von Pilarczyk u. a. nennt CAMELIDynamics als Methode, die auf positiver Interaktion und dem Lesen der Körpersprache beruht [2]. Die British Alpaca Society hat ihr Merkblatt zur Halfterpassform mit Bennetts Hilfe geschrieben [1].

Was dieses Handbuch ist – und was nicht

  • Es ist eine eigenständige Beschreibung der Grundgedanken in eigenen Worten, ergänzt um Lerntheorie, Studien und die Erfahrung, die auf dieser Seite sonst dokumentiert ist.
  • Es ist keine Wiedergabe der Methode, kein offizielles Material und nicht mit CAMELIDynamics abgestimmt. Der Alpaka-Kompass ist mit dem Anbieter nicht verbunden und erhält nichts für die Erwähnung.
  • Wo wir Begriffe verwenden, sind es unsere: „Kopfstütze“, „Leerrunde“, „Signal und Nachgeben“. Wer bei den Originalquellen nachliest, findet teils andere Namen für dieselben Dinge.

Weiterlernen

Handling ist ein Handwerk. Man lernt es mit den Händen, nicht mit den Augen – und am schnellsten, wenn jemand Erfahrenes daneben steht und sagt, dass der Ellbogen zu hoch ist. Deshalb der ehrliche Rat: Wer ernsthaft mit Alpakas arbeitet, besucht mindestens einmal einen praktischen Handling-Kurs bei einer ausgebildeten Trainerin oder einem ausgebildeten Trainer. Kurse nach dieser Methode werden international angeboten, auch in Europa; für die Frage, wer in deiner Nähe unterrichtet, sind die Zuchtverbände unter Anlaufstellen ein guter Anfang. Lass dir vorher zeigen, wie gearbeitet wird: Ein guter Kurs verzichtet auf Ohrengriffe, Jagen und Kraft, arbeitet in kleinen Bereichen und nimmt sich Zeit für die Halfterpassform.

Zum Nachlesen eignen sich Bennetts Buch „The Camelid Companion“ und ihre Artikel in der Quellenliste, für die Lerntheorie die frei verfügbaren Texte von Susan Friedman.

Begriffe

Fangbereich
Kleiner, aus Paneelen gebauter Bereich, in den die Herde gemeinsam geht; Grundlage fast jeder Handling-Aufgabe.
Führgasse
Lange, schmale Gasse aus Paneelen entlang eines Zauns für die ersten Führlektionen.
Treibleine
Leichte Leine oder breites Band, mit dem zwei Personen eine bewegliche Wand bilden.
Stab
Steifer, leichter Stab als verlängerter Arm für Kontakt aus Distanz.
Balancepunkt
Etwa auf Höhe der Schulter: Dahinter treibt deine Position nach vorn, davor bremst sie.
Hinter dem Auge
Die Position seitlich hinter dem Auge, aus der ein Alpaka dich wahrnimmt, ohne dich frontal vor sich zu haben.
Kopfstütze
Leichte Unterstützung des Kopfes unter dem Unterkiefer, die hilft, die Balance zu halten, ohne zu fixieren.
Signal und Nachgeben
Leichter Impuls, der in dem Moment endet, in dem das Tier nachgibt; das Nachlassen ist die Information.
Schwelle
Die Grenze, ab der ein Tier nicht mehr lernt, sondern nur noch reagiert.
Leerrunde
Eine Wiederholung eines Ablaufs – Fangen, Halftern, Anhänger – ohne dass danach etwas Unangenehmes folgt.
Kushen
Das Ablegen in Brustlage; beim Führen oder in der Pflege oft eine Notbremse.
Erstarren
Plötzliche Bewegungslosigkeit mit gespannter Muskulatur; eine stille Angstreaktion.
Marker
Ein kurzes, immer gleiches Signal, das punktgenau sagt: „Genau das.“
Station
Ein fester Platz, an dem das Tier auf Signal hingeht und wartet.

Weitere Fachbegriffe im Glossar.

Häufige Fragen zum Alpaka-Training

Wie trainiert man ein Alpaka?

Ein Alpaka wird über Raum, Balance und kleine Schritte trainiert, nicht über Festhalten. Die Herde geht gemeinsam in einen kleinen Fangbereich, der Mensch arbeitet seitlich hinter dem Auge, beginnt den Kontakt am Hals statt am Kopf und steigert jede Übung nur so weit, dass das Tier ruhig bleibt. Einheiten sind kurz und enden nach einem Erfolg.

Ab welchem Alter kann man ein Alpaka trainieren?

Eine Übersichtsarbeit von Pilarczyk u. a. (Animals, 2025) nennt ein Alter von etwa sechs Monaten, ab dem das Training eines Alpakas beginnen kann. Vorher sollte intensiver Körperkontakt vermieden werden, weil er Fehlprägung begünstigt. Ob ein Halfter sicher passt, hängt zusätzlich von der Länge des knöchernen Nasenbeins ab, die bei Jungtieren sehr kurz ist.

Wo muss das Halfter beim Alpaka sitzen?

Der Nasenriemen eines Alpakahalfters sitzt dicht vor dem Auge auf dem knöchernen Nasenbein und muss dort auch bei Zug bleiben. Dafür wird der Genickriemen straff hinter den Ohren geschlossen. Die British Alpaca Society nennt als Anhalt zwei Finger zwischen Kiefer und Nasenriemen beim erwachsenen Tier, damit Fressen und Wiederkauen möglich bleiben.

Warum legt sich mein Alpaka beim Führen hin?

Ein Alpaka, das sich beim Führen hinlegt, zieht meist die Notbremse gegen Druck, den es nicht auflösen kann. Häufige Ursachen sind ein Halfter, das auf den weichen Teil der Nase rutschen kann, und eine Leine, die von vorn dauerhaft zieht. Zuerst die Passform prüfen, dann von der Seite mit kurzen Impulsen statt Zug führen.

Wie fange ich ein Alpaka, das sich nicht fangen lässt?

Ein Alpaka, das sich nicht fangen lässt, wird nicht gejagt, sondern mit der ganzen Herde ruhig in einen kleinen Fangbereich gebracht. Marty McGee Bennett empfiehlt dafür etwa 2,7 mal 2,7 Meter. Dort nähert man sich seitlich von hinter dem Auge und legt die flache Hand an die Halsmitte. Regelmäßige Leerrunden ohne Behandlung sorgen dafür, dass der Fangbereich nicht zur Warnung wird.

Darf man Alpakas mit Leckerli trainieren?

Futter ist bei Alpakas ein wirksames Trainingswerkzeug, wenn es richtig eingesetzt wird: in kleinen Mengen aus der Tagesration, in einer Schale statt aus der offenen Hand und nur für ruhiges Verhalten. Futter aus der Hand an distanzlose Jungtiere fördert Drängeln und kann zur Fehlprägung beitragen.

Kann man ein älteres oder schlecht erfahrenes Alpaka noch trainieren?

Auch ein älteres oder schlecht erfahrenes Alpaka kann noch trainiert werden. Umlernen dauert länger als Neulernen, folgt aber demselben Weg: kleinerer Raum, kleinere Schritte, mehr Wiederholungen ohne Folgen und ein Mensch, der zurückweicht, sobald das Tier Angst zeigt.

Was ist CAMELIDynamics?

CAMELIDynamics ist ein Handling- und Trainingsansatz für Lamas und Alpakas, den die US-Kamelidentrainerin Marty McGee Bennett aus ihrer Arbeit seit den 1980er-Jahren entwickelt hat. Er setzt auf Verständnis von Verhalten, Balance und Hebelwirkung statt auf Festhalten und Zwang. Die Grundgedanken dieses Handbuchs stehen in dieser Tradition; der Alpaka-Kompass ist mit dem Anbieter nicht verbunden.

Quellen

Stand 29. September 2026. Jede Quelle mit dem, was sie in diesem Handbuch belegt. Die Artikel von Marty McGee Bennett sind Fachartikel der Methodenbegründerin und damit keine unabhängige Bewertung ihrer eigenen Methode; unabhängige Belege stehen daneben.

  1. The Importance of Correct Head Collar Fit in AlpacasBritish Alpaca Society, Health and Welfare Committee (V. Agar), 2008Halfterpassform: Nasenriemen dicht vor dem Auge auf dem Nasenbein, zwei Finger unter dem Kiefer beim erwachsenen Tier, Nachstellen nach einigen Minuten, kein Halfter unbeaufsichtigt; schlechte Passform als Ursache für Kushen, Durchgehen und Panik.
  2. Alpaca (Vicugna pacos) Husbandry and Their WelfarePilarczyk u. a., Animals (Basel) 2025, via PubMed CentralÜbersichtsarbeit: Zwang führt häufiger zu Aggression, positive Verstärkung wirkt beim Führen, Scheren und Verladen; Training ab etwa sechs Monaten, zu viel Körperkontakt davor begünstigt Fehlprägung; Fixation im Stehen wird besser toleriert; nennt CAMELIDynamics als empfehlenswerten Ansatz.
  3. Caretaker attitudes and animal training are associated with alpaca behaviour towards humans – an online surveyWindschnurer und Fischer, Applied Animal Behaviour Science 2021Große Halterbefragung: Training war ein hochsignifikanter Prädiktor dafür, wie leicht sich Alpakas treiben und führen lassen; mehr Ansprache und sanfter Kontakt gingen mit ruhigeren Tieren einher.
  4. Alpaca and llama behaviour during handling and its associations with caretaker attitudes and human-animal contactWindschnurer u. a., Applied Animal Behaviour Science 2020Beobachtung auf Betrieben: Führen durch vertraute Personen meist unproblematisch, bei der Untersuchung zeigte ein größerer Anteil Angst- und Stressverhalten – überwiegend Erstarren.
  5. Spatial perseveration error by alpacas (Vicugna pacos) in an A-not-B detour taskAbramson u. a., Animal Cognition 201851 Alpakas in einer Umweg-Aufgabe: anders als bei anderen getesteten Haustieren kein klares Beharren auf dem gelernten Weg – ein Hinweis auf flexible Lernfähigkeit.
  6. What’s Wrong With This Picture? Effectiveness Is Not EnoughSusan G. Friedman, Utah State University (Behavior Works)Hierarchie der Eingriffe von Umgebung und Auslösern über positive Verstärkung bis zur Strafe; Nebenwirkungen von Strafe; erlernte Hilflosigkeit, wenn Ausweichen dauerhaft blockiert wird.
  7. Flight Zone and Point of Balance for Low Stress HandlingTemple Grandin, Colorado State UniversityFluchtzone und Balancepunkt an der Schulter; hinter dem Balancepunkt geht ein Tier vorwärts, davor weicht es zurück; zu tiefes Eindringen in die Fluchtzone erzeugt Panik; Druck aufbauen und wieder wegnehmen.
  8. The Most Important, Useful, Critical Article You Will Ever Read on Camelid Training (Halfterpassform)Marty McGee Bennett, American Livestock Magazine 2004Fachartikel der Methodenbegründerin: Halftertypen, Genickriemen bestimmt, wie weit der Nasenriemen rutschen kann; „Gefahrenzone“ in der Mitte des Nasenbeins; Nasenbein beim Absetzer teils unter zwei Zentimeter.
  9. The Positively Perfect PanelMarty McGee Bennett, Alpacas Magazine 2006Fangbereich von etwa 2,7 × 2,7 m, halbierbar; über rund 3,7 × 3,7 m wird der Hals zum Festhaltemittel; Paneele mit Querstreben; Führgasse für die ersten Führlektionen; Gruppe statt Einzeltier verladen.
  10. Teaching Your Alpaca NOT to Pick Up His FeetMarty McGee Bennett, Alpacas Magazine 2006Beinarbeit: erst lernt das Tier, den Fuß unten zu lassen; Gewicht mit dem Arm über dem Rücken ausbalancieren; kreisende Berührung mit dem Handrücken; Lektionen von drei bis fünf Minuten; Helfer als Balance-Stütze statt Fixation.
  11. Raising Respectful Animals: Preventing Aggression in AlpacasMarty McGee Bennett, Alpacas Magazine 2009Distanzloses Jungtier: persönlicher Raum von etwa einem halben Meter, ruhiges „Zurück“ statt „Nein“, kein Schieben und kein Anschreien; Nasenbegrüßung ist in Ordnung, Drängeln nicht; Lehrer statt Boss.
  12. How to Calmly Catch an Alpaca or Llama: The Midline CatchCAMELIDynamics (Anbieterseite)Beschreibt den Fang im kleinen Bereich: Annäherung von hinter dem Auge, erste Berührung flach an der Halsmitte, zweite Hand hinter dem Kiefer statt am Gesicht, Vorwärtsbewegung bleibt möglich.
  13. Marty McGee Bennett – Tellington TTouch InstructorTellington TTouch TrainingHerkunft der Methode: seit 1981 mit Lamas, ab 1985 rund zehn Jahre bei Linda Tellington-Jones, Abschluss in Tierverhalten, Entwicklung von CAMELIDynamics.