Raufutter

Heulage und Silage für Alpakas: warum das selten aufgeht

Warum konserviertes Raufutter in kleinen Alpakabeständen fast nie aufgeht: der pH-Wert, die drei Fehlerwege – und die zwei Tage, in denen ein Ballen leer sein muss.

Lesezeit
ca. 12 Min.
Aktualisiert
12. August 2026
Redaktioneller Quellenabgleich
12. August 2026
Einordnung
Fütterung & Weide
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Für Alpakas ist konserviertes Raufutter kein Standardfutter, und in kleinen Beständen geht die Rechnung fast nie auf. Der Grund liegt nicht im Futter selbst, sondern in seiner Fehlerspanne: Heulage erreicht wegen ihres hohen Trockensubstanzgehalts kaum den pH-Wert von 4,5, unterhalb dessen weder Listerien noch Clostridium botulinum wachsen. Was die Konservierung dann noch trägt, ist der Luftabschluss durch die Folie – und der endet in dem Moment, in dem der Ballen geöffnet wird. Ab da muss er im Sommer binnen ein bis zwei Tagen aufgefressen sein, bei Kälte binnen vier bis fünf. Einen Ballen, der für einen Rinder- oder Pferdebestand gepresst wurde, schaffen drei bis fünf Alpakas in dieser Zeit nicht. Wer trotzdem Heulage füttern will, braucht eine belegte Gärqualität, Ballen in der Größe seines Bestandes und die Bereitschaft, jeden zweifelhaften Ballen wegzuwerfen statt zu verfüttern.

Das Wichtigste

01

Unterhalb von pH 4,5 wachsen weder Listerien noch Clostridium botulinum – Heulage erreicht diesen Wert wegen ihres hohen Trockensubstanzgehalts nur schwer.

02

Nach dem Öffnen ist ein Ballen verderbliche Ware: im Sommer ein bis zwei Tage, bei Kälte höchstens vier bis fünf.

03

Ein Alpaka nimmt täglich etwa 1,8 bis 2 Prozent seines Körpergewichts an Trockenmasse auf – das ist die ganze Ration, nicht die Heulagemenge obendrauf.

04

Schafe und Ziegen erkranken deutlich leichter an Listeriose als Rinder; für Neuweltkameliden ist die Datenlage dünn, Einzelfälle sind aber beschrieben.

05

Die Listeriose bricht rund drei Wochen nach der Aufnahme aus – der verdächtige Ballen ist dann längst verfüttert.

06

Erde im Futter ist der gemeinsame Eintragsweg beider Erreger; der Aschegehalt sollte unter 10 Prozent liegen, besser unter 5.

Heu, Silage, Heulage: derselbe Aufwuchs, drei Verfahren

Am Anfang steht in allen drei Fällen dasselbe Gras. Der Unterschied liegt darin, wie viel Wasser bei der Bergung noch darin ist. Heu wird auf etwa 15 bis 18 Prozent Restfeuchte getrocknet; dabei vermehrt sich nichts mehr, die Konservierung ist die Trockenheit selbst. Silage geht den umgekehrten Weg: feucht und luftdicht eingelagert, vergären Milchsäurebakterien den Zucker der Pflanze, der pH-Wert sinkt, die Säure hält alles andere in Schach.

Heulage liegt dazwischen – stark angewelktes Gras, das gewickelt wird, bevor es trocken ist. Genau dieses Dazwischen ist ihr Problem: zu trocken für eine kräftige Gärung, zu feucht für die trockene Konservierung. Beide Sicherungen greifen nur halb. Was übrig bleibt, ist die Folie.

Dazu kommt, dass „Heulage“ kein definierter Wert ist. Im deutschsprachigen Raum wird sie mit 50 bis 70 Prozent Trockensubstanz beschrieben. Die englischsprachige Fachliteratur, aus der die belastbaren Empfehlungen stammen, meint mit „baleage“ Material mit 45 bis 60 Prozent Feuchte – einen deutlich feuchteren Bereich. Wer amerikanische Empfehlungen liest und deutsche Ballen im Hof hat, vergleicht also nicht automatisch dasselbe.

VerfahrenWasser- bzw. TrockensubstanzgehaltWas konserviertTypisches Risiko
Heuetwa 15 bis 18 Prozent RestfeuchteTrockenheitStaub, Schimmelnester bei zu feucht gepressten Partien
Anwelksilage / „baleage“45 bis 60 Prozent FeuchteMilchsäure, pH unter 4,5 erreichbarFehlgärung bei zu nasser Bergung, Buttersäure, Clostridien
Heulage (deutschsprachige Verwendung)50 bis 70 Prozent Trockensubstanzvor allem der LuftabschlusspH bleibt hoch, Listerien, Nacherwärmung nach dem Anbruch

Warum am Ende alles am pH-Wert hängt

Milchsäurebakterien brauchen Zucker, Wasser und die Abwesenheit von Sauerstoff. Je trockener das eingewickelte Material, desto weniger Milchsäure entsteht – und desto weniger sinkt der pH-Wert. Darauf kommt es an, denn unterhalb von pH 4,5 wachsen weder Listerien noch Clostridien. Diese Zahl nennen Standardreferenz, Diagnostiklabore und Beratungsdienste übereinstimmend.

Für Heulage ist sie kaum erreichbar. Ein Zielbereich von 4,5 bis 5,5 gilt bereits als gut, und dessen unterer Rand ist wegen des hohen Trockensubstanzgehalts schwer zu erreichen. Aus der Schaf- und Ziegenhaltung kommt die nüchternere Formulierung: Die meisten Heulageballen liegen über pH 5,6 – oberhalb der Grenze, unterhalb derer Listerien nicht überleben. Eine andere Quelle nennt 5,4. Über die Richtung sind sich alle einig, über den Schwellenwert nicht.

Bleibt die zweite Sicherung, die Folie. Vier bis sechs Lagen, gewickelt binnen 24 Stunden nach dem Pressen, danach sechs bis acht Wochen Ruhe, bis der Ballen stabil ist. Jedes Loch – von der Mäusekralle, vom Vogelschnabel, vom Radlader – setzt sie außer Kraft. Und weil Clostridium botulinum Sauerstoff meidet, schafft die Folie zugleich die Bedingungen, unter denen es sich am wohlsten fühlt.

Die drei Wege, auf denen es schiefgeht

Konserviertes Raufutter verdirbt nicht auf eine Art, sondern auf drei – und die beiden gefährlichsten davon sieht man dem Ballen nicht an. Erde ist der gemeinsame Nenner: Wer zu tief mäht oder zu aggressiv schwadet, presst Bodenpartikel mit ein und mit ihnen die Sporen, um die es geht.

  • Listeriose: Die Erreger stammen aus dem Boden und vermehren sich, wenn der pH-Wert nicht weit genug fällt. Ausbrüche nach schlechter Silage sind lange beschrieben; neuere Auswertungen sehen den Zusammenhang weniger direkt. Typisch ist ein einseitiges Bild: Gesichtslähmung, hängendes Ohr oder Lid, Speicheln, Kopfschiefhaltung, Festliegen. Bei Schafen und Ziegen kann der Tod binnen 24 bis 48 Stunden eintreten.
  • Botulismus: Nicht das Bakterium ist das Problem, sondern sein Toxin, das sich im Futter längst gebildet hat – aus verrottendem Pflanzenmaterial oder Kadaverresten, etwa einer mitgepressten Maus. Großballensilage und Heulage gelten ausdrücklich als besonderes Risiko, wenn die Gärung keinen stabilen pH-Wert unter 4,5 erreicht. Die Zeichen sind schlaffe, fortschreitende Lähmungen bis zur Atemlähmung.
  • Fehlgärung und Nacherwärmung: Zu nass geborgenes Material macht Clostridien fast unvermeidlich – oberhalb von 70 Prozent Feuchte gilt ihr Wachstum als so gut wie sicher. Zu trockene Ballen lassen sich schlecht verdichten und neigen zu Nachgärungen. Und jeder geöffnete Ballen erwärmt sich und verschimmelt, sobald Luft herankommt.

Wie viel davon ist für Alpakas wirklich belegt?

Hier gehört eine Einschränkung hin: Die belastbaren Zahlen stammen aus der Rinder-, Schaf- und Ziegenhaltung. Für Neuweltkameliden gibt es sie so nicht. Das Merck Veterinary Manual hält fest, dass Listeriose bei Kameliden vorkommt, aber seltener als bei Wiederkäuern, mit vergleichbaren Krankheitszeichen. Ein Fallbericht beschreibt zwei neugeborene Lamas desselben Bestandes mit Septikämie und eitriger Hirnhautentzündung – ausdrücklich als ungewöhnliches Ereignis und ohne benennbare Futterquelle.

Bei den Clostridien ist es ähnlich. Eine Übersichtsarbeit zu bakteriellen Erkrankungen bei Alpakas und Lamas führt Tetanus, Enterotoxämie, Botulismus, Rauschbrand und Pararauschbrand auf; bei Neuweltkameliden in England und Wales wurden Clostridien in etwa 2,5 Prozent der Proben nachgewiesen. Ein Kapitel zur Listeriose enthält dieselbe Arbeit nicht – und einen Zusammenhang zwischen Heulagefütterung und Erkrankungen bei Alpakas stellt keine der Quellen her.

Wer also behauptet, Heulage sei für Alpakas nachweislich gefährlich, geht über die Quellen hinaus. Ein Freibrief ist das nicht: Die Mechanismen hängen nicht an der Tierart, sondern am Futter, und fünf Tiere erzeugen keine Statistik, in der ein Einzelfall auffiele. Klar sagt die Kamelidenliteratur dagegen den Normalfall: Grasheu mit 10 bis 14 Prozent Rohprotein und 50 bis 55 Prozent verdaulichen Nährstoffen. Konserviertes Raufutter kommt darin nicht vor.

Die Rechnung, an der es meistens scheitert

Der praktische Einwand gegen Heulage im Alpakabestand ist keine Krankheit, sondern eine Division. Kameliden nehmen unter normalen Bedingungen etwa 1,8 bis 2 Prozent ihres Körpergewichts pro Tag an Trockenmasse auf. Bei 55 bis 85 Kilogramm sind das rund 1 bis 1,7 Kilogramm je Tier und Tag – für die gesamte Ration, Weidegras und Heu eingerechnet, nicht für die Heulage obendrauf.

Dem steht das Zeitfenster nach dem Anbruch gegenüber: im Sommer ein bis zwei Tage, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt vier, nach anderer Angabe höchstens fünf. Was nicht am selben Tag gefressen wird, gehört aus der Raufe heraus. Ab dem Anbruch ersetzt nur noch die Zeit die Konservierung.

Damit lässt sich die eigene Lage in zwei Minuten klären: Frag den Lieferanten nach Ballengewicht und Trockensubstanzgehalt. Ein Ballen von 250 Kilogramm mit 60 Prozent Trockensubstanz enthält 150 Kilogramm Trockenmasse; fünf Alpakas bräuchten dafür knapp einen Monat. Das Zeitfenster sind zwei Tage.

Es gibt drei Auswege, und keiner heißt „ein bisschen langsamer verfüttern“: kleine, einzeln gewickelte Ballen in der Größe des eigenen Bestandes; Quaderballen, die sich stärker verdichten lassen als Rundballen; oder ein zweiter Abnehmer, der den Rest am selben Tag frisst. Wo keiner dieser Wege existiert, ist die Antwort Heu.

BestandTrockenmasse pro Tag (gesamte Ration)In zwei TagenIn fünf Tagen
3 Alpakasrund 3 bis 5 kg6 bis 10 kg15 bis 25 kg
5 Alpakasrund 5 bis 8,5 kg10 bis 17 kg25 bis 42 kg
10 Alpakasrund 10 bis 17 kg20 bis 34 kg50 bis 85 kg
25 Alpakasrund 25 bis 42 kg50 bis 84 kg125 bis 210 kg

Wenn es trotzdem Heulage sein soll

Die folgenden acht Punkte sind kein Ratschlag zum Abwägen, sondern eine Kette: Fällt ein Glied aus, trägt der Rest nicht.

  1. 01

    Die Gärqualität belegen lassen, statt sie zu riechen: pH-Wert, Milchsäure, Buttersäure und Ammoniakanteil unterscheiden eine gelungene von einer misslungenen Gärung. Dazu der Aschegehalt – unter 10 Prozent, empfohlen weniger als 5, denn Asche ist im Wesentlichen mitgepresste Erde.

  2. 02

    Die Herkunft klären: hoch gemäht, nicht zu aggressiv geschwadet. Wer Erdklumpen einpresst, presst die Sporen beider Erreger gleich mit ein.

  3. 03

    Auf das Wickelprotokoll bestehen: vier bis sechs Lagen Folie, gewickelt binnen 24 Stunden nach dem Pressen, danach sechs bis acht Wochen stehen lassen.

  4. 04

    Das Lager schützen: Jedes Loch in der Folie hebt die Konservierung auf. Ballen so lagern, dass Mäuse, Vögel und Katzen nicht herankommen, Beschädigungen sofort abkleben.

  5. 05

    Die Ballengröße an den Bestand anpassen, nicht den Bestand an die Ballengröße. Einzeln gewickelte Ballen verderben nach dem Öffnen am wenigsten, gestapelte Reihen am meisten.

  6. 06

    Beim Anbruch entscheiden, nicht hoffen: Der Ballen muss sauer und sauber riechen, nicht buttrig oder muffig. Schimmel, warme Stellen und eine schmierige Schnittfläche sind Ausschlusskriterien. Was nicht einwandfrei vergoren ist, geht an Rinder oder in die Entsorgung – nicht an die empfindlichere Tierart.

  7. 07

    Täglich ausräumen: Reste bleiben nicht bis zum nächsten Morgen liegen, die Raufe wird sauber gemacht.

  8. 08

    Schrittweise umstellen wie bei jeder neuen Charge und in den ersten Wochen genauer hinsehen als sonst – auf Kotkonsistenz, Fresslust und darauf, ob ein Tier zurückbleibt.

Was dafür spricht – und für wen es sich lohnt

Heulage ist nicht aus Unvernunft erfunden worden. Sie löst ein echtes Problem, nur eben nicht das, das ein Alpakabestand hat.

  • Sie braucht deutlich weniger Trocknungszeit als Heu – 50 bis 60 Prozent Feuchte gegenüber 16 bis 18 Prozent. In einem verregneten Sommer ist das der Unterschied zwischen geborgenem und verdorbenem Aufwuchs.
  • Die Bröckelverluste sind geringer: 5 bis 12 Prozent gegenüber 22 bis 26 Prozent beim Trockenheu. Bei hundert geernteten Ballen ist das eine Menge Futter.
  • Dagegen stehen: ein Zeitfenster von ein bis zwei Tagen nach dem Anbruch, eine Ballengröße für zweistellige Tierzahlen, der Analyseaufwand vor jeder Partie und zwei Erkrankungen, deren erste Zeichen erst auftauchen, wenn das verdächtige Futter längst weg ist.

Begriffe aus diesem Artikel

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RaufutterTrockenmasseNeuweltkamelidenEimeria macusaniensisPyrrolizidinalkaloideFutterchargeStandardabweichung (Faser)

Häufige Fragen

Dürfen Alpakas Heulage oder Silage überhaupt fressen?

Verboten ist es nicht, und einzelne Betriebe füttern es ohne erkennbare Probleme. Die Fachliteratur zu Neuweltkameliden empfiehlt für den Normalfall aber Grasheu und erwähnt konserviertes Raufutter nicht. Der Einwand ist weniger die Tierart als das Verfahren: Es verzeiht wenig, und ein kleiner Bestand kann einen angebrochenen Ballen nicht rechtzeitig aufbrauchen.

Was ist der Unterschied zwischen Silage und Heulage?

Beides ist eingewickeltes, feucht geborgenes Gras – Heulage ist nur deutlich trockener. Im deutschsprachigen Raum wird sie mit 50 bis 70 Prozent Trockensubstanz beschrieben. Je trockener das Material, desto weniger Milchsäure entsteht und desto höher bleibt der pH-Wert. Heulage ist damit weniger durch Säure geschützt als Silage und stärker auf die Folie angewiesen.

Wie lange darf ein angebrochener Ballen stehen?

Im Sommer ein bis zwei Tage. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt werden vier Tage genannt, nach anderer Angabe höchstens fünf. Ab dem Anbruch kommt Luft an das Material, es erwärmt sich nach und beginnt zu verschimmeln. Reste, die einen Tag in der Raufe gelegen haben, gehören heraus und nicht am nächsten Morgen wieder vorgelegt.

Woran erkenne ich einen verdorbenen Ballen?

Sichtbarer Schimmel, warme Stellen, eine schmierige Schnittfläche und ein buttriger, fauliger oder muffiger Geruch sind Ausschlusskriterien. Der Umkehrschluss gilt allerdings nicht: Ein unauffälliger Ballen ist kein Beweis für eine gelungene Gärung. Ob der pH-Wert tief genug gefallen ist, zeigt nur die Analyse.

Schützt eine Clostridien-Impfung vor Botulismus?

Das ist eine Frage für die Tierarztpraxis, und die Antwort hängt am Impfstoff. Enterotoxämie und Botulismus werden von verschiedenen Clostridienarten verursacht – die bei Neuweltkameliden übliche Clostridien-Impfung zielt auf die Enterotoxämie. Das Merck Veterinary Manual nennt Impfungen als Vorbeugung vor allem im Zusammenhang mit Rindern in Regionen mit den dort verbreiteten Toxintypen. Gegen die Listeriose findet sich in den herangezogenen Quellen keine Impfung, sondern nur die frühe antibiotische Behandlung.

Was ist mit dem sogenannten chronischen Botulismus?

Der Begriff kursiert seit Jahren in der Rinderhaltung für unspezifische Bestandsprobleme. Das zuständige Bundesministerium hält dazu fest, dass der ursächliche Zusammenhang zwischen dieser Symptomatik und dem Bakterium trotz intensiver Forschung nicht wissenschaftlich gesichert ist; eine große Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover und des Friedrich-Loeffler-Instituts konnte ihn nicht bestätigen. Der klassische Botulismus über verdorbenes Futter ist davon unberührt – er ist gut belegt.

Mein Nachbar füttert Heulage an Pferde – kann ich mitkaufen?

Das ist tatsächlich der einzige Weg, auf dem die Rechnung aufgehen kann: wenn ein zweiter Abnehmer den Ballen innerhalb des Zeitfensters leer macht. Voraussetzung bleibt dieselbe belegte Gärqualität. Was für die Pferde noch als grenzwertig durchgeht, ist für die kleinere Tierart nicht automatisch in Ordnung – Kleinwiederkäuer gelten als empfindlicher als Rinder, und Alpakas fressen zu wenig, um einen Fehler wegzuverdünnen.

Bei welchen Zeichen rufe ich sofort an?

Bei allem Neurologischen nach konserviertem Futter: Kopfschiefhaltung, hängendes Ohr oder Lid, Speicheln, Schluck- oder Kaustörung, Taumeln, Kreisbewegungen, Festliegen. Sag beim Anruf von dir aus, dass Heulage oder Silage gefüttert wurde – das verändert, worauf die Praxis zuerst schaut. Den Ballen aufheben und die Gruppe von diesem Futter nehmen.

Belege & Vertiefung

Quellen dieses Leitfadens

Zur Quellenmethodik

Auf Basis der folgenden Fachquellen erstellt und laufend gepflegt. Zuletzt redaktionell bearbeitet am 12. August 2026; redaktioneller quellenabgleich am 12. August 2026.

Das ist ein redaktioneller Abgleich der Aussagen mit den angegebenen Quellen – keine Prüfung oder Freigabe durch eine Tierarztpraxis, keine klinische Validierung und keine individuelle Beratung.

  1. Merck Veterinary ManualListeriosis in Animals Belegt, dass Kameliden seltener als Wiederkäuer erkranken und dabei vergleichbare Zeichen zeigen, den historischen Zusammenhang mit verdorbener Silage und dessen neuere Relativierung, das einseitige neurologische Bild sowie Tod binnen 24 bis 48 Stunden bei Schaf und Ziege und die frühe hochdosierte Antibiose als Behandlung.
  2. Merck Veterinary ManualBotulism in Animals Trägt die Aussage, dass Großballensilage und Heulage ein besonderes Risiko darstellen, wenn die Gärung keinen niedrigen, stabilen pH-Wert unter 4,5 erreicht, sowie Toxinquellen (verrottendes Pflanzenmaterial, Kadaverreste) und das Bild der fortschreitenden schlaffen Lähmung.
  3. Purdue University, Heeke Animal Disease Diagnostic LaboratoryReduce the Chances of Listeriosis and Botulism by Using Best Management Practices When Making Silage Belegt pH 4,5 als Grenze, unterhalb derer Listerien nicht wachsen, den anaeroben Charakter von Clostridium botulinum und Erdverschmutzung des Futters als Risikofaktor für beide Erkrankungen.
  4. Cornell Cooperative Extension, Southwest New York Dairy, Livestock & Field Crops ProgramSafe Production, Storage, and Feeding of Baleage Belegt Feuchtegehalt 45 bis 60 Prozent, Wickeln binnen 24 Stunden, sechs bis acht Wochen bis zur Stabilität, Aschegehalt unter 10 beziehungsweise 5 Prozent, das Zeitfenster von ein bis zwei Tagen nach dem Anbruch (vier Tage unter 4 °C), das tägliche Ausräumen der Reste und die Empfehlung, nicht einwandfrei vergorenes Material an Rinder zu verfüttern oder zu entsorgen statt an Schafe und Ziegen.
  5. Ohio State University Extension, Small Ruminant TeamBaleage Mistakes can Lead to Major Health Consequences Belegt den Anwelkbereich von 40 bis 60 Prozent Feuchte, dass oberhalb von 70 Prozent Feuchte Clostridienwachstum praktisch sicher ist, den Ziel-pH unter 4,5, das Wachstum von Listerien oberhalb pH 5,4, vier bis sechs Folienlagen und die niedrige Überlebensrate der Listeriose bei Schaf und Ziege.
  6. Ohio State University Extension, Small Ruminant Team (Beitrag von Anita O'Brien, OMAFRA)Baled Haylage for Sheep Belegt 50 bis 60 Prozent Feuchte gegenüber 16 bis 18 Prozent bei Heu, die Bröckelverluste von 5 bis 12 gegenüber 22 bis 26 Prozent, dass die meisten Heulageballen über pH 5,6 liegen und damit oberhalb der Überlebensgrenze für Listerien, die Inkubationszeit von rund drei Wochen sowie den Vorteil einzeln gewickelter Ballen.
  7. Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, Kanton AargauMythos oder Fakt? Heulage für Pferde Belegt den Trockensubstanzbereich von 50 bis 70 Prozent, den Ziel-pH von 4,5 bis 5,5 und dass 4,5 wegen des hohen Trockensubstanzgehalts schwer erreichbar ist, das Nachgärungsrisiko oberhalb 70 Prozent Trockensubstanz, den Eintragsweg über Erde und Kadaver sowie die Anbruchfrist von zwei Tagen, im Winter höchstens fünf.
  8. Merck Veterinary ManualManagement of Llamas and Alpacas Belegt die Trockenmasseaufnahme von 1,8 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Tag und die Empfehlung von Grasheu mit 10 bis 14 Prozent Rohprotein und 50 bis 55 Prozent verdaulichen Nährstoffen für ausgewachsene Tiere.
  9. Journal of Veterinary Diagnostic Investigation (Hawkins et al., 2017)Septicemia and meningoencephalitis caused by Listeria monocytogenes in two neonatal llamas Belegt, dass Listeriose bei Neuweltkameliden vorkommt, aber als ungewöhnlich gilt: zwei neugeborene Lamas eines Bestandes mit Septikämie und eitriger Meningoenzephalitis, ohne benennbare Futterquelle.
  10. Animals (Konieczny und Pomorska-Mól, 2023)A Literature Review of Selected Bacterial Diseases in Alpacas and Llamas Belegt den Umfang der Clostridien-Erkrankungen bei Alpakas und Lamas, den Nachweis von Clostridien in etwa 2,5 Prozent der untersuchten Proben aus England und Wales sowie das Fehlen eines Listeriose-Kapitels in der Kamelidenübersicht.
  11. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und HeimatChronischer Botulismus Belegt, dass der ursächliche Zusammenhang zwischen der unspezifischen Symptomatik des sogenannten chronischen Botulismus und Clostridium botulinum nicht wissenschaftlich gesichert ist und in der Studie von TiHo und Friedrich-Loeffler-Institut nicht bestätigt werden konnte.